Wirtschaft : Heißer Herbst für die IG Metall

ALFONS FRESE

Das wird ein interessanter Herbst: Im September verhandeln die Tarifparteien der Metallindustrie über die Vorgaben aus dem Bündnis für Arbeit, Anfang Oktober gibt es den Gewerkschaftstag der IG Metall; aus Rücksicht auf Gewerkschaftsboss Klaus Zwickel findet die nächste Bündnis-Runde im Kanzleramt erst nach der Wiederwahl Zwickels statt. Doch bis dahin wird sich der mächtige Vorsitzende noch mit einigen unerfreulichen Botschaften auseinander setzen müssen. Erst irritierte der Mainzer Ministerpräsident Beck mit zwei Nullrunden, dann kam der Wirtschaftsminister Müller mit der Kürzung der Staatsquote inklusive Abbau des Sozialstaats, und nun meldet sich auch noch ein eigener Mann aus der ersten Reihe der Gewerkschaft: Der Bezirksleiter von Nordrhein-Westfalen ist für eine moderate Tarifpolitik, um damit die Unternehmen im globalen Wettbewerb stärker zu machen. Das ist harter Tobak für Klaus Zwickel. Oder vielleicht doch nicht? Zwickel zählt - anders als sein Vize Jürgen Peters - nicht zu den Betonköpfen. Er weiß, dass sowohl Gewerkschaften als auch Flächentarifverträge modernisiert werden müssen, wenn sie Geltung behalten wollen. Mehr Differenzierung und Dezentralisierung - für den ausgeprägt hierarchisch organisierten Koloss IG Metall ist das nicht so einfach. Und für die Funktionäre schwieriger als für die gemeinen Gewerkschafter. Die Mitglieder haben nämlich bei einer Befragung weniger Klassenkampf-Parolen und mehr Bemühen um Kooperation und Konsens gefordert. Mit diesem Votum im Rücken und Leuten wie Schartau an der Seite kann Zwickel die IG Metall für das kommende Jahrzehnt präparieren. Nach seiner Wiederwahl.

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