Wirtschaft : Helden der Eiswelt

Gerd Nowakowski

Welch ein Triumph, welch ein Scheitern. Das Wagnis, im Jahre 1838 eine wissenschaftliche Expedition ins Eis der Antarktis zu schicken, mit zerbrechlichen Segelschiffen und ungenauen Kompassen war einer heutigen Raumfahrt zum Mond ebenbürtig. Die vierjährige Reise durch die Südsee, zur Antarktis und um die ganze Welt stellte die noch junge USA mit einem Schlag in eine Reihe mit etablierten Forschernationen wie England und Frankreich.

Nathaniel Philbrick hat für sein Buch „Dämonen der See“ eine unglaubliche Fülle von Archivmaterial und die Tagebücher der Teilnehmer ausgewertet. Doch trotz aller Entdeckungen, die denen eines James Cook gleichkommen, ist die Reise vor allem eine Geschichte über die Untiefen und Stürme der beteiligten Charaktere, die für diese Mission bedrohlicher sind als Orkane, Kälte oder mörderische Eingeborene. Eine Expedition in eine unbekannte Welt und in die Finsternis des Herzens. Ein Kampf zwischen dem despotischen und ruhmsüchtigen Kommandanten Charles Wilkes und seinen Offizieren. Es ist nahezu ein Wunder, dass die Expedition solch unglaubliche Leistungen vollbringt und mit ihrer Sammlung den Grundstock für das nationale Naturkunde-Institut der USA legt, trotz des Kommandanten, der seinen Leuten nur als hassenswerter Despot erscheint. Der menschliche Faktor verhindert auch, dass die Expedition die gerechte Anerkennung erhält: Der Kommandant, der 1842 im Glauben zurückkehrt, er werde als nationaler Held geehrt, und seine ihn hassenden Offiziere zerstören durch einen langen Prozess vor dem Kriegsgericht jede ruhmvolle Erinnerung. Erst 100 Jahre später wird „Wilkes Land“, ein mehr als dreitausend Kilometer langer Küstenabschnitt der Antarktis, an die wagemutige Fahrt erinnern.

Nathaniel Philbrick: Dämonen der See, Karl Blessing Verlag, München. 512 Seiten, 23 €.

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