Helpling goes Dubai : Die Berliner Putzplattform Helpling will expandieren

Die Berliner Plattform Helpling vermittelt jetzt Putzkräfte per App oder Web auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Haushaltshilfen arbeiten dort oft unter katastrophalen Bedingungen. Helpling baut auf einen Verhaltenskodex.

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Alles sauber? Helpling will stark expandieren.
Alles sauber? Helpling will stark expandieren.Foto: picture alliance / dpa

Die Helpling-Plakate sind in den großen Städten Deutschlands erst frisch angeklebt, da expandiert das Berliner Unternehmen schon weltweit. Die Vermittlungsplattform für Putzkräfte will nun auch in Australien, Singapur und in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) Kunden gewinnen. Bisher liegt der Fokus auf dem europäischen Markt. Neben Deutschland bietet das Unternehmen seine Dienste in Österreich, Frankreich und Italien. Auch in Brasilien und Kanada sind die Berliner schon aktiv. Vor gut einem Jahr gegründet, seien über die Plattform mehr als 50 000 Wohnungen gereinigt worden. In der letzten Finanzierungsrunde im Dezember schossen Investoren 17 Millionen Dollar in die Geschäftsidee. Nun soll die Ausweitung gen Osten den Durchbruch für das Geschäftsmodell bringen: Helpling verknüpft traditionelle Dienstleistung mit den Vorteilen des mobilen Internets. In Deutschland werden nach Angaben des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft 90 Prozent der Reinigungsdienstleistungen auf dem Schwarzmarkt angeboten. Das Internet soll das ändern.

Per App oder im Web holt sich der Kunde legale Reinigungskräfte zu sich nach Hause, verspricht Helpling. In den VAE bieten Reinigungsunternehmen ihre Dienstleistung über die Plattform an, in den anderen Märkten stellen Einzelpersonen ihre Arbeitskraft über Helpling zur Verfügung. „Singapur, die VAE und Australien teilen drei Gemeinsamkeiten: Kundenservice ist den Verbrauchern sehr wichtig, es gibt eine hohe Bereitschaft für haushaltsnahe Dienstleistungen, und das mobile Einkaufen auf Smartphones und Tablets ist nahezu eine Selbstverständlichkeit“, sagt Benedikt Franke. In Singapur übernimmt Helpling, das zum Berliner Start-up-Finanzierer Rocket Internet gehört, den Konkurrenten Spickify. Das Unternehmen nutzt damit einen schon bestehenden Kundenstamm. In Australien baut Helpling selbst das Unternehmen auf.

Ein Verhaltenskodex für die Arbeitnehmerrechte

In den VAE sitzen besonders viele potenzielle Kunden. Gutbetuchte Araber und dort arbeitende Ausländer, die keine Zeit zum putzen haben, könnten sich schnell an den Komfort von Helpling gewöhnen. Neben der App für die nächste Pizzalieferung und die App für den alltäglichen Supermarkteinkauf, könnte Helpling dort tatsächlich zum Standard werden, hofft Franke. Doch in den VAE gibt es auch regelmäßig Probleme mit Gastarbeiter aus Bangladesch, Sri Lanka oder den Philippinen.

Immer wieder gibt es Berichte über mehrheitlich Frauen, die misshandelt und ausgebeutet wurden und unter katastrophalen Bedingungen arbeiten mussten. Potenzielle weitere Märkte wie Saudi-Arabien oder Katar haben ebenfalls einen katastrophalen Ruf bei Arbeitnehmerinnen, die haushaltsnahe Dienstleistungen verrichten. Putzkräfte, Köchinnen und Kindermädchen müssen dort teils für Hungerlöhne, ohne Rechte und von den Gesetzen mehr benachteiligt als beschützt arbeiten.

„Wir haben da eine besondere Verantwortung“, gibt Franke zu. Helpling arbeite nur mit Reinigungsunternehmen zusammen, die einen Verhaltenskodex unterschrieben hätten. Ein Neun-Stunden-Arbeitstag sowie eine Unfall- und Krankenversicherung und eine garantierte Mindestvergütung gehörten dazu. In Dubai will Helpling mit lokalen Mitarbeitern kontrollieren, dass diese Arbeitsstandards auch eingehalten werden. Vor allem weil dort die rechtliche Sicherheit für Gastarbeiterinnen niedriger ist als in anderen Märkten.

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