Wirtschaft : Henkel: Chemie- und Markenartikelkonzern trennt sich von der Chemie

agr

Der Chemie- und Markenartikelkonzern Henkel verkauft seine Chemietochter Cognis an die Investorengemeinschaft Schroder Ventures Funds und Goldman Sachs Capital Partners. Den Brutto-Kaufpreis bezifferte Henkel in einer Mitteilung auf 2,6 Milliarden Euro. An der Börse gehörte Henkel nach dem seit längerem erwarteten Verkauf zu den Tagessiegern. Der Preis lag im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Die Summe sei "absolut in line", sagte Petra Meyer von Sal. Oppenheim. Sie sprach von einer positiven Nachricht für Henkel. Angesichts der flauen Konjunktur hätte es Befürchtungen gegeben, dass Henkel weniger für Cognis erlösen werde.

"Wir wollen Cognis in drei bis fünf Jahren an die Börse führen", sagte Götz Mäuser, Partner bei Schroder Ventures, dem Handelsblatt. Schroder Ventures wolle Cognis nicht aufgliedern und versilbern, sondern habe für das Unternehmen eine klare Wachstumsperspektive im Bereich der Spezialchemie. Cognis ist im wesentlichen in der Oleochemie tätig. Zum Einsatz kommen nur natürliche Rohstoffe. Im ersten Halbjahr 2001 steigerte Cognis den Umsatz um vier Prozent auf 1,5 Milliarden Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 3,6 Prozent auf 116 Millionen Euro. In 2000 erreichte das Unternehmen mit 9100 Mitarbeitern in 50 Ländern einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro und damit einen Anteil von 23 Prozent am Umsatz des Henkel-Konzerns. Zunächst müsse Cognis aber die Hausaufgaben erledigen und sich als selbständiges Unternehmen aufstellen, sagte Mäuser. Dazu habe das Unternehmen bis 2003 Zeit. So sei die Abnabelung von Henkel noch nicht abgeschlossen.

Aus unternehmensnahen Kreisen war indessen zu hören, dass Henkel keinen industriellen Investor für Cognis begeistern konnte. Interessenten aus der Industrie habe es lediglich für Teile des Unternehmens gegeben. Über die genaue Höhe des Kaufpreises wollte sich Mäuser nicht äußern. Von dem Brutto-Preis von 2,6 Milliarden Euro müssten noch die Schulden der Cognis abgezogen werden, die die Investoren übernehmen wollten. Darüber werde noch mit Henkel verhandelt. Das Closing - also die rechtliche Wirksamkeit des Vertrages - ist auch mit Rücksicht auf das Attentat in den USA für Ende November 2001 geplant.

Henkel will den Verkaufserlös zum Abbau von Verbindlichkeiten und für den Ausbau des Markengeschäfts mit Klebstoffen, Kosmetika und Waschmitteln nutzen. Die Verbindlichkeiten des Konzerns bezifferte ein Sprecher auf knapp drei Milliarden Euro. Die Schulden und Pensionsrückstellungen der Cognis beliefen sich auf weniger als eine Milliarden Euro. Tobias Mock von der Hypovereinsbank rechnet damit, dass sich Henkel in Asien oder den USA nach Verstärkungen umsehen wird. Der Schuldenabbau habe aber Vorrang.

Henkel wurde vor allem durch seine Waschmittel und Klebstoffe bekannt. Die Marke Persil hat Henkel bereits 1907 eingeführt.

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