Wirtschaft : Henkel greift nach Nivea und Tesa

Konsumgüterkonzern spricht mit Beiersdorf-Großaktionären

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Hamburg (beu/lip/HB). Der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel sondiert den Einstieg beim Hamburger Kosmetik und Pflasterkonzern Beiersdorf (Nivea, Hansaplast, Tesa). Wie das „Handelsblatt“ aus Kreisen der beteiligten Firmen erfuhr, hat es zwischen Henkel und den beiden Beiersdorf- Großaktionären, der Hamburger Tchibo Holding und dem Münchener Versicherungskonzern Allianz, informelle Gespräche gegeben. Danach hat Henkel-Chef Ulrich Lehner mit Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner über den Erwerb des Allianz-Anteils an Beiersdorf gesprochen.

Zum Ergebnis dieses Kontakts gaben sowohl Henkel als auch die Allianz auf Anfrage des Handelsblatts keine Stellungnahme ab. Beim Hamburger Kaffeeröster Tchibo sind die Avancen von Henkel allerdings auf wenig Gegenliebe gestoßen, heißt es aus firmennahen Kreisen. So dürften die Hamburger nicht bereit sein, eine Mehrheitsübernahme an Beiersdorf durch Henkel zu akzeptieren. Hintergrund hierfür ist, dass die Tchibo-Eigentümerfamilie Herz selbst seit längerem danach strebt, mehr Einfluss bei dem Hamburger Kosmetik-Konzern zu erhalten.

Investmentbanker spielen derweil verschiedene Beteiligungsmodelle durch: Eine Variante sieht eine paritätische Beteiligung von Henkel und Tchibo an Beiersdorf vor, eine andere wiederum geht von einer 70-prozentigen Mehrheit in den Händen von Henkel aus. In diesem Fall bliebe der Anteil von Tchibo mit rund 30 Prozent unverändert. An Beiersdorf ist die Allianz mit fast 44 Prozent und die Tchibo Holding mit 30,4 Prozent beteiligt. Der Rest der Anteile liegt im Familien- und Streubesitz. An dem Düsseldorfer Henkel-Konzern mit einem jährlichen Umsatz von knapp 9,7 Milliarden Euro hält die Familie Henkel einen Anteil von 51,6 Prozent, die Jahr Vermögensverwaltung erhöhte ihre Beteiligung inzwischen von 5,2 auf 6,1 Prozent.

Wella-Verkauf schlägt Wellen

Ein Anlass für die Gespräche zwischen Henkel und den Beiersdorf-Großaktionären ist die Neuordnung des deutschen Körperpflegemarktes: Erst vor kurzem hat der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble den Darmstädter Haarpflegespezialisten Wella gekauft. An einer Übernahme von Wella hatte Henkel selbst Interesse, scheiterte aber am hohen Preis. Um den Einstieg der Amerikaner zu behindern, hatten die Düsseldorfer quasi in letzter Minute ein kleineres Aktienpaket an Wella erworben. Aus dem Verkauf winkt ihnen jetzt ein Gewinn von mehr als 100 Millionen Euro. Die eigene „Kriegskasse“ hat Henkel bisher auf bis zu sieben Milliarden Euro beziffert.

Eine Übernahme von Beiersdorf sei für Henkel derzeit zu teuer, heißt es allerdings bei Börsenexperten. Denn bei einem Erwerb der Allianz-Anteile müsste der Düsseldorfer Konzern den restlichen Streubesitz-Inhabern ein Abfindungsangebot unterbreiten. Die Börsenkapitalisierung von Beiersdorf liegt bei mehr als 9,3 Milliarden Euro. Strategisch mache ein Zusammenschluss der beiden Konzerne aber Sinn, heißt es.

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