Wirtschaft : Henkel kauft sich in den US–Markt ein

Düsseldorfer Waschmittelkonzern investiert 2,4 Milliarden Euro für Übernahme von Dial

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Berlin (pet). Der Waschmittelkonzern Henkel steht vor der größten Übernahme seiner Unternehmensgeschichte. Der PersilHersteller aus Düsseldorf will für 2,7 Milliarden Dollar (knapp 2,4 Milliarden Euro) den amerikanischen Konkurrenten Dial kaufen. Eine entsprechende Vereinbarung sei am Montag unterzeichnet worden, teilte das Unternehmen mit. Die Übernahme soll bis April des kommenden Jahres abgeschlossen sein und sich rasch auf die Ergebnisentwicklung auswirken.

Dass Henkel in Kauflaune ist, ist schon länger bekannt. Das Unternehmen hatte in diesem Jahr vergeblich versucht, sich beim Darmstädter Haarpflegekonzern Wella einzukaufen. Dabei war ihm der amerikanische Konsumgüterkonzern Procter & Gamble allerdings zuvorgekommen. Auch an dem Hamburger Nivea-Hersteller Beiersdorf soll Henkel interessiert gewesen sein. Doch auch in diesem Fall ging der Zuschlag an einen anderen – den Kaffeeröster Tchibo.

Mit der Übernahme von Dial will Henkel seine bislang schwache Position auf dem US-Markt ausbauen. Die geplante Übernahme werde „das Markenartikelgeschäft in Nordamerika nachhaltig stärken und ist ein strategisch bedeutender Schritt zur weiteren Internationalisierung unseres Waschmittel- und Kosmetikgeschäfts“, sagte Henkel-Chef Ulrich Lehner am Montag in einer Telefonkonferenz. Das Marken- und Waschmittelgeschäft in den USA trug im vergangenen Jahr etwa 14 Prozent zum Henkel-Gesamtumsatz von 9,6 Milliarden Euro (2002) bei. Nach der Übernahme von Dial soll der Anteil auf 23 Prozent wachsen. Ein Vertrieb der starken europäischen Marken in den USA sei aber nicht geplant, sagte Lehner.

Analysten begrüßten die Übernahme grundsätzlich, hielten den Preis aber für etwas teuer. „Strategisch ist die Akquisition für Henkel sinnvoll und zukünftig wertsteigernd“, heißt es in einem Kommentar der WGZ-Bank. Der Preis sei zwar nicht günstig, aber Henkel habe aktiv werden müssen, „um nicht in die Mittelmäßigkeit abzurutschen“. Mit der Übernahme stelle Henkel unter Beweis, dass das Haus an kleineren und mittleren Unternehmen, die strategisch gut zum Konzern passen würden, interessiert sei, schreiben Analysten der SEB-Bank. Dial sei in den USA ähnlich aufgestellt wie Henkel in Deutschland und Europa. Der Kurs der Henkel-Vorzugsaktie fiel bis zum Börsenschluss entgegen dem Markttrend im Dax deutlich um 3,91 Prozent auf 59,30 Euro.

Henkel und Dial kennen sich bereits aus einem Joint-Venture zur Vermarktung von Waschpulver. Das US-Unternehmen mit Sitz in Arizona vertreibt mit Waschmitteln, Duschgelen und Seifen ähnliche Produkte wie Henkel. Darüberhinaus produziert Dial aber auch Lebensmittel. Was nach der Fusion mit der Sparte passiert, ist noch unklar, ein Verkauf werde geprüft, sagte Dial-Chef Herb Baum in einer Telefonkonferenz. Dial erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,3 Milliarden Dollar.

Am Management des US-Unternehmens wird sich vorerst nichts ändern. Baum sagte, er werde für die nächsten zwei Jahre an der Spitze bleiben. Entlassungen seien nicht geplant, bestätigte auch Henkel-Chef Lehner.

Henkel will über eine Tochtergesellschaft alle Dial-Aktien kaufen und den Aktionären 28,75 Dollar je Aktie bieten. Der Preis liege um 22 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen 60 Tage. Finanziert werden solle die Übernahme aus vorhandenen flüssigen Mitteln und durch Fremdkapital. Später solle dann ein bedeutender Teil der Minderheitsbeteiligungen an Clorox sowie Ecolab oder einer Kombination aus beiden Anteilen verkauft werden, teilte Henkel mit.

Henkel-Finanzchef Lothar Steinebach sagte, die Nettofinanzschulden von rund 600 Millionen Euro würden durch den Zukauf auf drei Milliarden Euro steigen. Der Schuldenstand soll durch Verkäufe von US-Beteiligungen abgebaut werden. Hier verfügt Henkel über viel Spielraum: Den Marktwert der Beteiligungen Clorox sowie Ecolab bezifferte Steinebach auf drei Milliarden sowie 1,9 Milliarden Dollar. Eine komplette Trennung von beiden Beteiligungen sei unwahrscheinlich.

Für die Zukunft schließt Henkel-Chef Lehner weitere Akquisitionen nicht aus. „Wir wollen organisch wachsen – auch durch weitere Zukäufe“, sagte er am Montag.

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