Wirtschaft : Henkel leistet sich teures Sparprogramm

Restrukturierungskosten auf 125 Millionen Euro verdreifacht

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Berlin (pet). Das Sparprogramm des Konsumgüterkonzerns Henkel (Persil) wird dreimal so teuer, wie ursprünglich geplant. Am Montag gab der im Dax gelistete Konzern bekannt, dass er für die Restrukturierung in diesem Jahr statt 40 Millionen Euro nun 125 Millionen Euro ausgeben wird. Das zusätzliche Geld stammt nach HenkelAngaben zum größten Teil aus dem Verkauf der Anteile an dem Haarpflegespezialisten Wella. Weitere Stellenstreichungen schloss ein Unternehmenssprecher nicht aus.

Henkel hatte seine Beteiligung von insgesamt 6,8 Prozent an Wella im Juni an den amerikanischen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble verkauft, bisher aber über den Erlös geschwiegen. Ein Konzernsprecher sagte am Montag, Henkel habe bei dem Verkauf 81 Millionen Euro eingenommen. Das Geld soll die Mehraufwendungen in Höhe von 85 Millionen Euro für die Restrukturierung fast abdecken. Dadurch hätten die Zusatzaufwendungen keinen Einfluss auf den Gewinn. Die Jahresprognose des Konzerns bleibe daher unverändert bestehen.

Die Börse honorierte die Ankündigung mit einem deutlichen Aufschlag. Der Kurs der Henkel-Vorzugsaktien stieg am Montag um 3,68 Prozent auf 60,87 Euro. „Ich bin überrascht, dass der Markt die unerwartete Ankündigung zusätzlicher Aufwendungen so positiv bewertet“, sagte Konsumgüteranalyst Ulrich Huwald von M.M. Warburg. Grundsätzlich machten die Einsparungen aber Sinn. Auch der Zeitpunkt der Ankündigung sei günstig. Die Tatsache, dass die zusätzlichen Aufwendungen im dritten Quartal verbucht werden sollen, deute darauf hin, dass das Quartal – trotz der schwachen Konjunktur – gut gelaufen sei. Henkel will die Zahlen am 17. November vorlegen.

Ziel des aktuellen Sparprogramms ist es, die Ertragskraft des Henkel-Konzerns ab dem Jahr 2004 um rund 40 Millionen Euro jährlich zu steigern. Das Unternehmen will nach Angaben eines Sprechers alle vier Unternehmensbereiche und alle Regionen überprüfen und Einsparpotenziale erschließen. Details nannte der Sprecher nicht. Mit dem Programm wolle Henkel seine Marktposition „weiter ausbauen und langfristig sichern“.

Henkel hatte bereits im November 2001 ein Sparprogramm aufgelegt. Im Zuge dessen waren weltweit 2700 Stellen gestrichen worden. Auf betriebsbedingte Kündigungen hatte Henkel aber verzichtet. „Es ist auch diesmal nicht auszuschließen, dass es Personalmaßnahmen geben wird“, sagte eine Henkel-Sprecher. Derzeit beschäftigt Henkel weltweit rund 50 000 Menschen.

Auch die deutschen Mitarbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz. „Wir machen uns in gleichem Umfang Sorgen wie 2001“, sagte der Henkel-Betriebsratsvorsitzende Winfried Zander dem Tagesspiegel. Wo das Unternehmen Einsparungen plane, sei noch nicht bekannt. Er hält es aber für wahrscheinlich, dass auch deutsche Standorte betroffen sein werden.

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