Wirtschaft : Henkel und die Chef-Villen

Ex-BDI-Präsident korrigiert Aussage im IKB-Prozess

Erinnerungslücken. Hans-Olaf Henkel, der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, war Aufsichtsrat der IKB-Bank, die fast pleitegegangen wäre. Foto: p-a/ZB Foto: picture alliance / ZB
Erinnerungslücken. Hans-Olaf Henkel, der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie, war Aufsichtsrat der...Foto: picture alliance / ZB

Düsseldorf - Der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel hat im Prozess um die Beinahepleite der IKB-Bank zugeben müssen, von bankeigenen Villen für die Vorstände gewusst zu haben.

Seine Aussage im Ermittlungsverfahren, er habe davon nichts gewusst, weil er eine solche Praxis nicht akzeptiert hätte, sei „voreilig“ gewesen, sagte der 70-Jährige am Dienstag als Zeuge vor dem Düsseldorfer Landgericht. Das Gericht hatte Beschlüsse etwa über die Mieten für die Häuser vorgelegt, die Henkels Unterschrift als Aufsichtsrat tragen. „Sehen Sie mal, wie einem das Gedächtnis einen Streich spielen kann“, sagte Henkel. „Es muss diese Praxis gegeben haben.“ In dem Prozess ist Ex-IKB-Chef Stefan Ortseifen wegen Untreue und Marktmanipulation angeklagt. Er soll ohne Kenntnis des Aufsichtsrats Umbauten an seiner Dienstvilla für 120 000 Euro zu verantworten haben. Dies sieht die Staatsanwaltschaft als Untreue an. Ortseifen sagt, es habe sich um zulässige werterhaltende Maßnahmen gehandelt.

Henkel nahm Ortseifen am Dienstag in Schutz: „Ich kann nicht ausschließen, dass Ortseifen dazu berechtigt war. Damals war das anscheinend üblich. Die Usancen haben sich ja geändert.“ Der ehemalige IKB-Aufsichtsrat Uwe Haasen sagte im Zeugenstand, er habe ursprünglich gedacht, dem jeweiligen Vorstandschef der IKB sei ein Haus als „Wanderpreis“ zur Verfügung gestellt worden.

Tatsächlich hatte die Bank lange Zeit für jeden neuen Vorstand eine entsprechende Immobilie angekauft. Haasen sagte, über die Häuser sei in den Aufsichtsratssitzungen während seiner Zeit nie diskutiert worden: „Es gab vorbereitete Beschlüsse, über die nicht geredet wurde und die am Ende der Sitzungen unterschrieben wurden.“

In dem Verfahren um die milliardenschwere Schieflage der Düsseldorfer Bank müssen auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und der Finanz-Staatssekretär der Bundesregierung, Jörg Asmussen, als Zeugen aussagen. Ortseifen hatte die Anklagevorwürfe zurückgewiesen und seinerseits die Deutsche Bank für den Niedergang der IKB verantwortlich gemacht. Diese habe als engster Partner der IKB mit dem plötzlichen Kappen der Handelsbeziehungen die Krise ausgelöst. Mit der Schieflage der IKB hatte die weltweite Finanzkrise vor knapp drei Jahren Deutschland erreicht.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ortseifen zudem vor, mit einer Pressemitteilung der Bank am 20. Juli 2007 die Lage der IKB irreführend geschönt zu haben. Die IKB hatte in Zweckgesellschaften außerhalb der Bilanz strukturierte Wertpapiere mit einem Volumen von 17 Milliarden Euro angehäuft, die auf zweitklassigen US-Immobilienkrediten fußten. Als der US-Hypothekenmarkt zusammenbrach, kostete die Rettung der IKB beinahe zehn Milliarden Euro. Den Löwenanteil musste die staatliche KfW als Haupteigentümerin der IKB schultern - und damit der Steuerzahler. dpa

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