Wirtschaft : Henkel warnt die Anleger

Berlin (hop/dpa/rtr). Die Henkel AG hat ihre Erwartungen an die Gewinnentwicklung im laufenden Geschäftsjahr kräftig nach unten korrigiert. Zwar konnte das Unternehmen im dritten Quartal seine Umsätze steigern. Doch brach der Gewinn vor vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 10,7 Prozent auf 216 Millionen Euro ein. Der Verkauf der Chemiesparte Cognis an Finanzinvestoren, der mit 2,6 Milliarden Euro veranschlagt worden war, brachte zudem 100 Millionen Euro weniger in die Kasse.

Das Unternehmen, das sich auf sein Kerngeschäft - Waschmittel und Klebstoffe - konzentriert hat, gilt zwar im Allgemeinen als krisenfest. Dennoch leidet Henkel unter der schlechten Konjunktur. Die Henkel-Aktie reagierte auf die Zahlen negativ: Henkel verlor bis zum späten Nachmittag stärker als der Dax auf 64,30 Euro.

Der Umsatz des Unternehmens stieg im dritten Quartal hingegen um 2,3 Prozent auf 3,33 Milliarden Euro. Dies gab der Konzern am Montag auf einer Pressekonferenz in Heidelberg bekannt. Das Ergebnis wurde besonders von der Klebstoffsparte belastet. Als Reaktion hat Henkel ein umfassendes Sparprogramm beschlossen. In den nächsten drei Jahren würden weltweit zwischen 2500 und 3000 Arbeitsplätze abgebaut, sagte Ulrich Lehner, Vorsitzender der Geschäftsführung. Zurzeit beschäftigt Henkel noch 60 400 Menschen.

"Als wir unsere Ziele für das laufende Jahr formulierten, stand die Weltwirtschaft noch unter anderen Vorzeichen", sagte Henkel-Chef Ulrich Lehner. Die Anschläge vom 11. September hätten die Unsicherheit bei den Konsumenten verstärkt. Vor allem die Nachfrage aus der Auto- und Chipindustrie habe seitdem deutlich nachgelassen, während das Markenartikelgeschäft stabil sei. Im August hatte Henkel noch mitgeteilt, das Ergebnis und der Jahresüberschuss 2001 würden wohl auf dem Vorjahresniveau liegen oder dieses leicht übertreffen. Dies war schon damals eine Rüchnahme des ursprünglichen Ziels, deutliche Gewinnzuwächse auszuweisen.

Ergebnis unter Erwartungen

JP Morgan-Analyst Arnaud Langlois sagte, die Ergebnisse für das dritte Quartal sind niedriger als erwartet. Es sei klar, dass Henkel nicht mehr so optimistisch für das Gesamtjahr sei.

Im dritten Quartal verbuchte bei Henkel der Bereich Klebstoffe durch den Zukauf von des US-Spezialchemieunternehmens Dexter ein Umsatzplus von 4,4 Prozent, während das Ergebnis um 42,9 Prozent auf 36 Millionen Euro fiel. Als Grund für den Einbruch nannte Henkel die schwache Konjunktur. Mit minus 1,4 Prozent leicht rückläufig entwickelte sich der Umsatz der Sparte Kosmetik/Körperpflege. Jedoch legte das Ebit in diesem Arbeitsgebiet um 12,9 Prozent auf 35 Millionen Euro zu. Bei Wasch- und Reinigungsmitteln kletterte der Umsatz um 3,8 Prozent, während das Ebit um 3,2 Prozent auf 60 Millionen Euro fiel. Bei Hygiene und Oberflächentechnik fuhr Henkel ein Umsatzplus von 6 Prozent ein, jedoch sank das Ebit um 17,1 Prozent auf 34 Millionen Euro. Die Chemietochter Cognis steigerte im dritten Quartal den Umsatz leicht und legte beim Ebit um 26,4 Prozent auf 67 Millionen Euro zu.

Im Rahmen der Maßnahmen zur Kostensenkung sollen einige Standorte teilweise oder vollständig geschlossen werden. Die Schwerpukte lägen außerhalb von Deutschland in Amerika und Asien. Dort sind vor allem die Standorte in China betroffen. In Österreich und Osteuropa solle es keine Einschnitte geben, sagte Leiser. Weitere Einzelheiten sollen im Frühjahr 2002 bekannt gegeben werden. Zur Finanzierung der Umstrukturierung plant Henkel für 2002 und 2003 die Rückstellung von insgesamt rund 300 Millionen Euro. Henkel erwartet dadurch Kosteneinsparungen von jährlich 130 Millionen Euro.

Cognis-Verkauf perfekt

Trotzdem erwartet das Düsseldorfer Unternehmen in seinem 125. Geschäftsjahr ein Rekordergebnis. Dies wird jedoch nur durch außerordentliche Erträge erreicht. Der Verkauf der Chemie-Tochter Cognis an das Konsortium der Finanzinvestoren Permira (ehemals Schroder Ventures Europa) und Goldman Sachs Capital Partners wurde gestern perfekt gemacht. Die frischen Mittel sollen in den langfristigen Ausbau der Markenartikel (70 Prozent Umsatzanteil) und des Industriegeschäfts investiert werden. Zum möglichen Börsengang der Klebstoffsparte Tesa teilte das Unternehmen nichts mit.

Das Umsatzvolumen der Henkel-Gruppe wird durch den Verkauf von Cognis und anderer Beteiligungen um rund ein Drittel gegenüber dem Jahr 2000 sinken, in dem der Konzern 12,7 Milliarden Euro erzielte. Auch die Mitarbeiterzahl wird dadurch sinke - auf etwa 45 000 Menschen.

Die Dividende werde für 2001 wohl gleich hoch ausfallen wie im Vorjahr, deutete Lehner zudem an, ohne sich aber festzulegen. Für das Jahr 2000 hatte Henkel 1,06 Euro pro Stammaktie und 1,12 Euro pro Vorzugsaktie ausgezahlt.

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