Henning Kagermann : ''Ich bemühe mich, fair zu sein''

SAP-Chef Henning Kagermann spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über den IT-Standort, das schlechte Manager-Image und Zukäufe.

Kagermann
Henning Kagermann -Foto: Thilo Rückeis

Auf der Cebit präsentieren sich viele deutsche Softwareunternehmen. International spielt nur SAP in der ersten Liga. Woran liegt das?

Amerikanische Firmen profitieren von ihrem großen Heimatmarkt. Dort haben sich früh Innovationszentren gebildet wie etwa im Silicon Valley. Auch hat die US-Regierung stark in IT-Projekte investiert. Hinzu kommt wohl noch, dass das Unternehmertum in Amerika stärker ausgeprägt ist. Bei dieser Mentalität haben wir Deutschen starken Nachholbedarf.

SAP hat es dennoch geschafft…

Wir hatten die richtigen Produkte zur richtigen Zeit. 15 Jahre später hätte das anders aussehen können. In der Folge haben wir offenbar auch anderes richtig gemacht, bei unserer Innovationsstrategie zum Beispiel und der konsequenten Globalisierung. SAP ist heute ein international sehr gut aufgestelltes Unternehmen.

Kann die Politik etwas tun, damit es mehr Firmen von hier an die Spitze schaffen?

Die Politik kann nur Rahmenbedingungen setzen. Sie kann das nicht diktieren. Innovationen leben von Ideen, die kann man nicht erzwingen.

Wie sehen diese Rahmenbedingungen aus?

Verbesserte Rahmenbedingungen hat die jetzige Regierung gesetzt – etwa mit dem IT-Gipfel. Es ist wichtig, im Land ein Bewusstsein für die Bedeutung von IT zu schaffen. Wenn die Bundeskanzlerin zum IT-Gipfel einlädt, zeigt das: Es ist wichtig. Und natürlich kann eine Regierung selbst Vorreiter sein. Sie kann im Bereich E-Government – also im elektronischen Austausch mit Bürgern und Unternehmen – mit gutem Beispiel voran gehen.

SAP beschäftigt 43 800 Mitarbeiter, mehr als die Hälfte im Ausland. Können Sie sich vorstellen, dass SAP Deutschland verlässt?

Nein, dafür gibt es keinen Grund. Wir sind eine globale Firma, aber unser Hauptsitz ist in Deutschland. Unser Umsatz wächst jedoch in anderen Ländern stärker. Und dort, wo wir unsere Software verkaufen, wird es natürlich gern gesehen, wenn wir auch dort investierten.

Nach welchen Grundsätzen führen Sie Ihr Unternehmen?

Das ist relativ einfach: wie ein ehrbarer Kaufmann.

Was heißt das?

Sie müssen als Kaufmann agieren, also das Geschäft profitabel voranbringen. Und ehrbar heißt: Sie müssen das in dem Rahmen machen, der den gesetzlichen Vorgaben entspricht und fair ist im Umgang mit Partnern, Kunden und Mitarbeitern. Ich bemühe mich, fair zu sein.

Verstehen Sie, dass immer mehr Menschen von Managern enttäuscht sind?

Ich bedauere, dass wir eine zum Teil sehr emotionale Diskussion und Berichterstattung haben, die sich nicht nur an den Fakten orientiert. Dann entsteht oft ein falscher Eindruck. Wir sind zu schnell dabei, über andere zu urteilen und uns zu echauffieren.

Also sind die Medien schuld?

Nein, wir brauchen öffentliche Debatten auch über die Verantwortung von Managern. Aber warum schaffen wir es nicht, uns erst einmal sachlich mit den Dingen auseinanderzusetzen, bevor wir ein Urteil fällen?

Was haben Sie gedacht, als Sie die Bilder von den Durchsuchungen bei Ex-Postchef Klaus Zumwinkel gesehen haben?

Ich habe mich gefragt, ob es nötig ist, das medial so zu inszenieren. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Also zu den Fakten: SAP hat seit kurzem eine neue Software für den Mittelstand auf dem Markt. Die Entwicklung kostet viel Geld. Warum machen Sie das?

Etwa 70 Prozent unserer 46 000 Kunden kommen schon aus dem Mittelstand. Unser Ziel ist es, im Jahr 2010 100 000 Kunden haben. Es ist klar, dass dann rund 80 Prozent unserer Kunden aus dem Mittelstand kommen werden. Natürlich hilft uns dabei die Akquisition von Business Objects, dort gibt es eine ganze Reihe Kunden, die nicht SAP haben. Daher sind wir zuversichtlich, dass wir die Marke von 100 000 Kunden erreichen werden.

Der Aufsichtsrat hat Ihnen noch ein Ziel gegeben: bis 2010 den Aktienkurs zu verdoppeln. Wie steht es damit?

Man sollte sportlich sein und sich ehrgeizige Ziele setzen. Wenn wir alles richtig machen, können wir es schaffen.

Sie haben angekündigt, dass Sie sich weitere große Zukäufe vorstellen können. Das hat dem Kurs nicht gut getan.

Ich kann und will keine sinnvollen Zukäufe ausschließen. Das wäre doch unvernünftig.

Wo muss SAP sich denn verstärken?

Wenn Sie Ihren Markt vergrößern wollen, schauen Sie sich die angrenzenden Gebiete an. Im Kerngeschäft ist SAP sehr stark. Da haben wir gezeigt, dass wir organisch wachsen können, seit rund 18 Quartalen mit zweistelligen Wachstumsraten und mit deutlichem Zuwachs beim Marktanteil. Aber in anderen Bereichen kann eine Akquisition sinnvoll sein, um schneller Marktführer zu werden, als es durch organisches Wachstum möglich wäre. Business Objects war so eine Gelegenheit.

Das Gespräch führte Corinna Visser.

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