Wirtschaft : Herb, männlich, würzig Rasierdüfte werden oft vererbt

Jan Friedmann

Papas Bartstoppeln kratzten und rochen herb. Wer als Kind ins Elternbadezimmer schlich, um die Quelle des väterlichen Duftes zu ergründen, angelte meist eine Flasche aus milchigem Opalglas vom Regal: Das Aftershave „Tabac Original“. Als „herb, männlich und würzig“ beschreibt Lothar Greven, Produktmanager beim „Tabac“-Hersteller Mäurer + Wirtz, den Duft des Klassikers, den es schon seit 1959 gibt. „Tabac Original“ strahle „Souveränität und Sicherheit“ aus und stehe für eine „dezente Gepflegtheit“. Der Nachahmeeffekt für Söhne ist offenbar groß: Männer „von 14 Jahren bis ins Greisenalter“ trügen den Duft auf; die Marke hat seit Jahren einen stabilen Marktanteil von 7,5 Prozent.

Die deutschen Männer kaufen Rasierzusatzprodukte, weil sie gut riechen wollen. So steht das klassische Rasierwasser, das vor allem Wasser, Alkohol und Parfümanteile enthält, bei ihnen hoch im Kurs. „Früher mussten die Männer ihr Bedürfnis nach Beduftung damit erklären, dass das Aftershave die beim Rasieren entstandenen Schnittwunden desinfiziert“, sagt Greven. Nach Umfragen von Marktforschungsinstituten interessieren sich heutzutage 82 Prozent der Männer für Herrendüfte, 18 Prozent mehr als für Computer. Eine Käufergruppe achtet neben dem Duft vor allem auf den Namen: In den Filialen der Parfümeriekette „Douglas“ zum Beispiel gehen Designer-Düfte von „Hugo Boss“, „Davidoff“, „Laura Biagiotti“ und „Christian Dior“ am besten.

Während das klassische Duftwasser etwas auf der Haut brennt – ein Effekt, den Traditionalisten schätzen – enthalten immer mehr Aftershaves hautpflegende Substanzen. Das Unternehmen Beiersdorf, mit seiner Marke „Nivea“ Marktführer bei den Aftershaves, verkauft eine breite Palette von Balsamen und Lotionen, die gereizte Wangenhaut mit Feuchtigkeit versorgen. Bis es soweit ist, wollen die Männer ihre Bartstoppeln möglichst schnell fallen sehen: „Kaum jemand macht sich die Mühe, Rasiercreme mit einem Pinsel im Seifentiegel aufzuschäumen“, sagt Stephan Klose, Sprecher der Drogerie Rossmann. „Das ist zwar stilvoll, aber nicht so bequem wie der fertige Rasierschaum.“

Viele Kenner halten eine traditionelle Rasiercreme aus Portugal für die beste der Welt: „Musgo Real“ wird schon seit 1920 hergestellt – nach altem Rezept aus Wollfett, Kokosöl und Glyzerin. Jan Friedmann

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