Wirtschaft : Herbstgutachten: "Der Euro kann weiter abrutschen"

Herr Hüther[finden Sie die Kritik der Konjun]

Michael Hüther ist Chefvolkswirt der DGZ Deka Bank in Frankfurt (Main).



Herr Hüther, finden Sie die Kritik der Konjunkturforscher an der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) berechtigt?

Teilweise. Die EZB ist zwar mit ihrem Leitzins von 4,75 Prozent noch nicht restriktiv, sondern neutral. Aber sie lässt nicht klar werden, bei welchem Niveau sie in eine Phase der Zinsberuhigung eintreten will.

Die Institute warnen vor einem weiteren Drehen an der Zinsschraube. Sehen Sie da ebenfalls Gefahren für das Wachstum?

Ja, die Zentralbank sollte die Zinsen nicht weiter anheben, sondern erst einmal abwarten, wie stark die bisherigen Erhöhungen auf die Konjunktur wirken.

Trotz der hohen Erzeugerpreise?

Diese hängen ganz erheblich vom Anstieg der Ölpreise und überhaupt der Verteuerung der Importe ab. Dies sind aber externe Einflüsse; erst wenn diese eine Preis-Lohn-Preis-Spirale auslösen würden, müsste die EZB gegensteuern. Aber das sehe ich momentan noch nicht.

EZB-Präsident Wim Duisenberg musste harte Kritik einstecken. Zu Recht?

Mit seinen Äußerungen hat er die für den Euro stabilisierende Wirkung wieder aufgehoben, die durch die Notenbankinterventionen und die Androhung weiterer Interventionen am Markt erzielt worden war. Ich sehe dies sehr kritisch. Aber es ist letztlich auch der gesamte EZB-Rat, der für die Kommunikation nach außen verantwortlich ist.

Manche rechnen mit einem Abrutschen des Euro auf 80 US-Cent.

Kurzfristig ist das nicht auszuschließen.

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