Herbstgutachten : Deutsche Wirtschaft wächst kräftig

Laut Herbstgutachten der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wächst die deutsche Wirtschaft um 2,3 Prozent. Für das nächste Jahr wurde die Prognose auf 1,4 Prozent gesenkt. Grund seien Steuererhöhungen und anstehende Reformen.

Berlin - Damit habe Deutschland die zweithöchste Wachstumsrate während der vergangenen zehn Jahre, erklärten die Vertreter der Institute. Sie korrigierten ihre Wachstumsprognose vom Frühjahr damit um 0,5 Prozentpunkte nach oben. Im kommenden Jahr wird sich der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ihrer Prognose zufolge auf 1,4 Prozent abschwächen. Die Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung um drei Prozentpunkte auf Konjunktur und Konsum seien schwierig einzuschätzen, erklärten die Wirtschaftswissenschaftler: Noch nie sei diese Steuer so stark erhöht worden. Deutliche Kritik übten sie an der Arbeitsmarktpolitik der Regierung und an der geplanten Gesundheitsreform.

Getragen wird der Aufschwung in diesem Jahr laut dem Herbstgutachten von den weiter kräftig steigenden Exporten und zunehmend auch von der Inlandsnachfrage. Damit sei die Auslastung in den Unternehmen so deutlich gestiegen, dass sie verstärkt Arbeitskräfte nachfragten: Die Zahl der Erwerbstätigen und vor allem auch die der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nehme spürbar zu.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, beim Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv, beim ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München, beim Institut für Weltwirtschaft in Kiel, dem Institut für Wirtschaftsforschung in Halle und beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen darüber, wie stark der gegenwärtige Aufschwung ist. Einige Institute erwarten laut Gutachten, dass die Konjunktur 2007 wieder merklich an Tempo verlieren wird.

Gute Konjunktur macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar

Vor allem die Einkommensaussichten hätten sich nicht so weit verbessert, dass mit einem nachhaltigen Anstieg der Beschäftigung und des privaten Konsums zu rechnen sei. Andere Institute dagegen sehen demnach Anzeichen, dass der Aufschwung bereits so viel an Stärke gewonnen hat, dass die Kapazitätsauslastung der Unternehmen weiter spürbar zunehmen wird. Damit halte die Besserung auf dem Arbeitsmarkt an und die Einkommen würden steigen.

Die führenden Wirtschaftsinstitute kritisierten, dass die derzeit diskutierten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Regierung - die Einführung eines Mindestlohns oder eines Kombilohnmodells - die Wachstumsaussichten verschlechtern würden. Die Koalition könne sich offenbar nicht dazu durchringen, die staatlichen Eingriffe dort zurückzufahren, wo der Markt bessere Lösungen liefere, und mehr Eigenverantwortung zulassen, hieß es. Dies zeige sich exemplarisch auch an der Gesundheitsreform. Die Forscher plädieren hier für einen Systemwechsel, der es den Bürgern mehr als bisher überlasse, Entscheidungen über Art und Umfang der Versicherung selbst zu fällen. (tso/AFP)

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