Herbstumfrage : Berliner Mittelstand hat "nichts zu meckern"

Handwerkskammern und IHK berichten von zufriedenen Mittelständlern in Berlin. Doch schon in den kommenden Monaten könnte sich das ändern.

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Wohin man blickt. Gebaut wird in Berlin fast an jeder Ecke, wie hier an der Rathausbrücke vor dem Berliner Dom. Die Bauindustrie profitiert vom Immobilienboom in der Hauptstadt. Der wird sich vorrausichtlich auch erst mal nicht abschwächen.
Wohin man blickt. Gebaut wird in Berlin fast an jeder Ecke, wie hier an der Rathausbrücke vor dem Berliner Dom. Die Bauindustrie...Foto: picture alliance / dpa

Dieser Satz gilt als höchstes Lob des Berliners und ist von Unternehmern eher selten zu hören: „Es gibt nichts zu meckern“, sagte IHK- Hauptgeschäftsführer Jan Eder am Montag bei der Vorstellung der gemeinsamen Herbstumfrage mit der Handwerkskammer. Der Geschäftsklimaindex, der Auskunft über aktuelle Geschäftslage und Erwartungen der Berliner Unternehmen gibt, ging verglichen mit der Frühjahrsumfrage um sechs Punkte zurück. Mit 127 Punkten liegt er nun auf demselben Niveau wie vor einem Jahr.

Im Unterschied zum Frühjahr blicken die Unternehmen jedoch skeptisch auf die kommenden Monate. Während sie ihre aktuelle Lage so gut einschätzen wie zuletzt vor zwei Jahren, erwarten sie für den Winter nicht allzu viel. Das zeigt sich unter anderem an der Bereitschaft, neues Personal einzustellen. IHK und Handwerkskammer rechnen zwar mit zusätzlichen Arbeitsplätzen. Dabei stehen die Chancen im Handel und bei Dienstleistungen deutlich besser als im Handwerk, in der Industrie oder – saisonbedingt – beim Bau. Die Geschäfte der Industrie entwickelten sich zwar immer noch gut, aber „weniger schwungvoll“, sagte Eder. Sie spüre bereits die Auswirkungen der schwächelnden Weltkonjunktur. Die Investitionsbereitschaft sei derzeit entsprechend gering.

Dabei profitiert Berlin in gewisser Weise davon, dass es einen schwach ausgeprägten Industriesektor hat. „Der Industriebesatz liegt bei uns bei elf Prozent, im Bundesschnitt sind es über 20 Prozent“, erläutert Hartmut Mertens, Chefvolkswirt der landeseigenen Berliner Investitionsbank (IBB). Zudem orientierten sich die exportabhängigen Betriebe in der Stadt traditionell weniger ins krisengeschüttelte Südeuropa, sondern eher in Schwellenländer wie Brasilien, Indien, Russland und China. Auch die im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt starke Bindung an US-Kunden spiele der Berliner Industrie derzeit in die Karten.

Vor allem die verbraucherorientierten Branchen wie Dienstleistungen, Handel und Gastronomie hätten über die Sommermonate gute Geschäftsergebnisse erzielt, sagte Eder. Die Bauindustrie profitiere vom Immobilienboom in der Hauptstadt. Niedrigzinsen sind gut für die Finanzierung, die im Verhältnis zu anderen Großstädten oder Weltmetropolen wie London, Paris und New York günstigen Quadratmeterpreise und die wachsende Bevölkerung wirken auf die Baubranche wie ein Katalysator.

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