Wirtschaft : Hereinspaziert!

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Estland und Litauen haben in der vergangenen Woche, kaum waren sie Mitglied in der Europäischen Union geworden, ihre Absicht kundgetan, schnellstmöglich der Eurozone beizutreten. Auch von Slowenien und Zypern ist zu erwarten, dass sie schon bald einen Beitritt zum Wechselkursmechanismus II, einer Art Warteraum für die EuroMitgliedschaft, beantragen werden.

Für kleine, offene Volkswirtschaften wie diese ergibt die rasche Einführung des Euro unbedingt Sinn. Sie haben wenig zu verlieren und viel zu gewinnen, wenn sie sich fest an Euroland binden. Und das Beispiel Irland hat gezeigt, wie mächtig Währungsstabilität kombiniert mit wachstumsfördernder Steuerpolitik sein kann. Die Kriterien sind klar: Bevor ein Land in die Euro-Zone aufgenommen werden kann, muss sich seine Währung zwei Jahre im Europäischen Wechselkursmechanismus bewähren, der nur geringe Schwankungen der Landeswährung gegen den Euro zulässt.

Diese Bedingungen hindern Gewerbetreibende jedoch nicht daran, dem Euro schon früher von sich aus näher zu rücken. Eine Reihe von Unternehmen in den neuen Mitgliedsländern – von großen Hotels bis hin zu Nippesläden – zeichnen in Euro aus und akzeptieren ihn als Zahlungsmittel. Polen können Hypotheken in Zloty, Dollar oder Euro aufnehmen. Dieser Trend wird sich vermutlich fortsetzen, wenngleich er natürlich nicht ohne Risiken ist, solange die Länder Euroland noch nicht angehören.

Natürlich werden Länder wie Polen und Ungarn aufgrund ihrer Größe und ihrer finanzpolitischen Situation noch länger mit dem Beitritt warten müssen. Niemand in der Eurozone scheint es eilig zu haben, die neuen Mitglieder in der Währungsgemeinschaft willkommen zu heißen, in manchen Fällen aus simplem Chauvinismus, die ärmeren EU-Neulinge in den Club der reichen Länder aufzunehmen. Sie haben keinen Grund zu übertriebener Sorge. Durch die Aufnahme dieser dynamischen, wenn auch noch kleinen neuen Mitglieder, wird der Euro nichts von seinem Glanz verlieren. Doch der wirtschaftlichen Stabilität und dem wirtschaftlichen Wachstum der Neulinge wird der Euro sehr gut tun. Privates Unternehmertum legt das Fundament für den Übergang. Worauf also warten? Hereinspaziert!

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