Wirtschaft : Herlitz AG: Bürowirtschaft in der Krise

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Die Stimmung bei den Herstellern von Bürobedarf ist schlecht. Die Insolvenz von Herlitz hat deshalb niemanden überrascht. "Wir befürchten, dass Herlitz nicht der einzige bleiben wird", sagt Thomas Bona, der Geschäftsführer des Industrieverbandes Papier, Bürobedarf und Schreibwaren in Düsseldorf. Der Grund: Sinkende Schülerzahlen und die steigende Arbeitslosigkeit führten bereits im ersten Quartal zu einem Umsatzeinbruch von zehn Prozent. "Denn wer keinen Arbeitsplatz hat, braucht auch keine Radiergummis oder Aktenordner", sagt Bona. "Es ist, als ob die Schreibwarenbranche im vergangenen Jahr gar nicht mehr aus dem üblichen Sommerloch aufgetaucht ist", klagt auch Thomas Grothkopp vom Bundesverband Bürowirtschaft.

Rund 8,7 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr mit Bürowaren in Deutschland umgesetzt. 56 Prozent davon im gewerblichen Bereich, 44 Prozent im privaten Einzelhandel. Der Büroartikelmarkt ist mit rund 500 Unternehmn sehr zersplittert. Bekannte Marken wie Herlitz, Esselte-Leitz, Faber-Castell oder Pelikan erwirtschaften lediglich ein Viertel des Gesamtumsatzes. Die meisten Firmen verkaufen ihr Sortiment über den Schreibwarenfach- und Großhandel. Herlitz ist als Marktführer im Selbstbedienungssegment einer der wenigen deutschen Markenhersteller, der die Supermärkte beliefert. Im Fachhandel oder im gewerblichen Bereich spielt der Berliner Bürowarenhersteller kaum eine Rolle. Der Selbstbedienungsbereich gilt branchenintern als "Preisvernichtungsschiene", weil die Konkurrenz durch asiatische Billigprodukte die Preise drastisch drücke. "Schon seit Jahren haben wir uns gefragt, wie lange Herlitz das noch durchhält", sagt Thomas Grothkopp. Nun steht die Quadriga Plus-Gruppe bereit, um das Erbe von Herlitz im Selbstbedienungsbereich anzutreten. Zu Quadriga Plus haben sich im vergangenen Jahr Esselte-Leitz, Faber-Castell, Pelikan und Bacher & Demmler zusammengeschlossen. "Wer Herlitz in den Supermärkten beerben will, darf sich nicht auf deren Konditionen einlassen und sich auf keinen Fall auf das Herlitz-Preisniveau begeben", warnt Grothkopp. Außerdem habe Herlitz zu viel Service in der Logistik und der Sortimentsgestaltung geleistet. Wie man die Hefte, Bleistifte und Ordner im Laden präsentiert, wird zwar immer wichtiger für die Branche, so Grothkopp, das lasse sich aber vom Hersteller nicht kostengünstig abwickeln.

Im Gegensatz zu den Büroartikelherstellern geht es der Papierindustrie gut. "Wir sind in einer stetigen Wachstumsphase", heißt es beim Verband der Deutschen Papierfabriken. Steigende Papierpreise sind kein Grund für die Misere in der Schreibwarenbranche. "Denn die werden direkt an den Kunden durchgereicht", sagt Grothkopp.

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