Wirtschaft : Herlitz AG fliegt aus dem M-Dax

BERLIN (jojo).Der Berliner Büroartikelhersteller Herlitz fällt aus dem M-Dax.Das Unternehmen wird nur noch bis 18.September dem Index der 70 wichtigsten Nebenwerte angehören.Neben Herlitz müssen auch die Hornbach Holding und Kampa-Haus ausscheiden.Für diese drei Firmen rücken Kali und Salz, Sixt sowie die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz auf.Die Zusammensetzung des Dax bleibt unverändert.Dies entschied der Vorstand der Deutschen Börse AG bei einer Sitzung am späten Dienstag abend.

Darüber hinaus beschlossen die Börsianer eine Erweiterung des C-DAX.Diese Gruppe von Indices wird bisher nur aus den Kursen von Papieren berechnet, die im Amtlichen Handel notiert werden.Künftig sollen auch sämtliche deutschen Papiere berücksichtigt werden, die am Geregelten und Neuen Markt gehandelt werden.

Herlitz bedauerte am Mittwoch, den M-Dax verlassen zu müssen.Empört zeigte sich Georg Tegtmeier, Leiter Finanzen, darüber, erst am Dienstag abend per Fax über die Entscheidung informiert worden zu sein.Zuvor hätte er nur aus der Presse erfahren, daß Herlitz auf der Kippe stand.Tegtmeier zufolge war Herlitz allerdings schon in den Vorjahren immer an der Grenze, aus dem Dax 100 zu fallen.Im Dax 100 sind Dax und M-Dax vereint.Auf der für den Beschluß vom Dienstag maßgeblichen Rangliste der Deutschen Börse lag Herlitz beim Kriterium Umsatz nur noch auf Rang 108, bei der Börsenkapitalisierung auf Rang 116.Im April hatte das Unternehmen die Plätze 104 und 103 eingenommen.

Für die Aufnahme in den M-Dax gilt eine sogenannte 110 / 110-Regel.Danach kann ein Wert in den Index aufgenommen werden, wenn er nach Marktkapitalisierung und Umsatz zu den 110 größten zählt.Umgekehrt kann eine Gesellschaft ersetzt werden, wenn sie nach einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den 110 größten zählt.Mit Rang 116 bei der Kapitalsierung hatte Herlitz das Kriterium nicht mehr erfüllt.Neben den rein rechnerischen Kriterien bewertet der Börsenausschuß auch Aspekte wie die Branchenzugehörigkeit: Die Gesellschaften im Index sollen die Branchen der deutschen Volkswirtschaft möglichst gleichgewichtig repräsentieren.

Daß Herlitz bei der Kapitalisierung durchfiel, hängt vor allem mit dem dramatischen Kursverfall der vergangenen Monate zusammen.Stamm- und Vorzugsaktien fielen innerhalb eines Jahres von Werten um die 150 DM auf weit unter 100 DM.Das Unternehmen werde sich trotz der momentan ungünstigen Lage bemühen, bald wieder in den M-Dax zu kommen, sagte Tegtmeier am Mittwoch.Die Zusammensetzung des Index wird jedes halbe Jahr überprüft.

Daß Herlitz beim Umsatz relativ schwach abschneidet, liegt für Tegtmeier auch an der Struktur des Aktienbesitzes.Nur rund 60 Prozent der Aktien sind im Umlauf, den Rest sollen 32 Mitglieder der Familie Herlitz halten.Günter Herlitz und seinem Sohn Klaus gehören rund sechs bzw.fünf Prozent.3,7 Mill.Aktien von Herlitz gibt es, davon sind 1,9 Mill.Stämme und 1,8 Mill.Vorzüge.Um den Handel mit Herlitz-Aktien zu beleben, denkt Tegtmeier auch an die Umwandlung von Vorzugsaktien in Stämme.Die Familie habe dazu bereits ihre Zustimmung signalisiert.

Für Tegtmeier ist der Kursrutsch der Herlitz-Titel ein Zeichen großer Verunsicherung unter den Aktionären.Die letzten Zahlen würden allerdings auf eine leichte Besserung schließen lassen.Juni und Juli seien bislang gut gelaufen, der Umsatz um fünf Prozent geklettert.Der Büroartikelhersteller habe seine Marktanteile etwas ausgebaut.Allerdings leide das Unternehmen noch immer unter der schlechten Lage der Konkurrenz.In Konkurs befindliche Wettbewerber würden ihre Waren derzeit zu Schleuderpreisen verkaufen.

Während Herlitz aus dem Dax 100 ausscheidet, zieht sich der Staat aus dem M-Dax-Neuling Kali und Salz nun komplett zurück.Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, kauft Kali und Salz den 49-Prozent-Anteil der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben.Kali und Salz zahlt dafür 250 Mill.DM.

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