Wirtschaft : Herlitz baut hunderte Arbeitsplätze ab

Verdi befürchtet in Berlin-Brandenburg den Verlust von 20 Prozent der Stellen

Anselm Waldermann

Berlin - Der Berliner Schreibwarenkonzern Herlitz will in Berlin und Brandenburg offenbar mehr als 300 Stellen abbauen. Das sagte der stellvertretende Landesbezirksleiter der Gewerkschaft Verdi, Andreas Köhn, dem Tagesspiegel. Auf einer Betriebsversammlung habe der neue Herlitz-Vorstandschef Jan van Riet zudem mit der Verlagerung von weiteren 100 Arbeitsplätzen nach Polen gedroht, falls bis Ende März keine Einigung mit den Arbeitnehmern über den Stellenabbau zustande komme. Herlitz selbst widersprach dieser Darstellung.

Im Sommer 2005 war der US-Investor Advent bei dem Berliner Traditionsunternehmen eingestiegen. Kurze Zeit später kündigte der neue Herlitz-Vertriebsvorstand Dietrich Groth die Verlagerung der Produktion vom Standort Tegel ins brandenburgische Falkensee an. Auch einen Personalabbau brachte Groth ins Gespräch, ohne aber Zahlen zu nennen.

Verdi zufolge soll der Stellenabbau bis Ende 2007 abgeschlossen sein. Insgesamt seien 20 Prozent der 1600 Arbeitsplätze in Berlin-Brandenburg betroffen. „Diese Arbeitsplätze sollen den Renditeträumen der amerikanischen Investoren geopfert werden“, sagte Köhn.

Bei Herlitz sieht man das anders: „Der Stellenabbau hat nichts mit dem Investor Advent zu tun“, sagte Unternehmenssprecherin Stephanie Freese. Die Maßnahme sei nötig, um profitables Wachstum zu generieren und eine Produktionsverlagerung ins Ausland zu verhindern. Vor allem aber gehe es nicht um 300 bis 400, sondern nur um 190 Stellen, die im gesamten Konzern abgebaut werden sollen. „Herr van Riet ist offenbar falsch verstanden worden“, sagte Freese.

Köhn von Verdi blieb jedoch bei seiner Darstellung. So soll ein Teil der Arbeitsplätze durch die Auslagerung in eine eigenständige Firma abgebaut werden. „Herlitz zählt diese Stellen wohl noch zum Konzern dazu“, sagte Köhn. Dies sei jedoch nur ein schlechter Trick. Die Zusammenlegung der Produktion in Falkensee begrüßte er hingegen als „vernünftige Maßnahme“.

In den nächsten Wochen wollen sich Vorstand und Arbeitnehmervertreter nun zu Gesprächen über den Stellenabbau treffen. Dabei soll es Freese zufolge auch um flexiblere und längere Arbeitszeiten gehen.

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