Wirtschaft : Herlitz: Eine zweite Chance für Herlitz

Daniel Rhee-Piening

Jede Krise birgt eine Chance, lautet eine chinesisches Weisheit. Und so kann man in der jetzt nicht mehr abwendbaren Insolvenz des Herlitz-Konzerns auch durchaus etwas Positives sehen. Dies mag für die Beschäftigten zunächst wie Hohn klingen, aber der Gang zum Konkursrichter eröffnet die Möglichkeit, die verbleibenden Arbeitsplätze zu sichern.

Denn eines zeichnete sich zuletzt immer deutlicher ab: Die Altlasten, besonders die aus den Zeiten der stürmischen Expansion, waren auch mit einem guten operativen Kerngeschäft nicht mehr zu schultern. Der immense Schuldenberg erdrückte den Konzern. Die Leerstandskosten von zuletzt mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr, die aus den riesigen Logistikkapazitäten an den Firmenstandorten in Falkensee, Tegel und Spandau resultierten, konnten die Beschäftigten von Herlitz und der PBS AG auch bei bestem Willen nicht mehr erwirtschaften. Und diesen Willen haben sie in der Vergangenheit gezeigt. Doch Mehrarbeit ohne Lohnausgleich und der Verzicht auf Weihnachtsgeld haben nicht genügt. Dabei könnte der Kern von Herlitz durchaus rentabel sein. Die Marke ist gut eingeführt auf allen europäischen Märkten, die Logistik sucht in der Branche ihresgleichen. Mögliche Käufer für diese lukrativen Sparten stehen bereit.

Nun liegt es am Insolvenzverwalter und an den Banken, einen sanften Übergang zu gewährleisten. Denn mit der Kündigung der Kredite sind die Banken nicht aus dem Schneider, die Verantwortung tragen sie weiter. Sie werden sich daran messen lassen müssen, ob es gelingt, eine neue Herlitz AG zu etablieren, die an alte, nicht vergessene Glanzzeiten anknüpfen kann.

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