Wirtschaft : Herlitz gerät unter Druck der Banken

va/HB

Im Bankenkonsortium hinter der Berliner Herlitz AG herrscht Uneinigkeit, ob man dem Büroartikelhersteller die Kreditlinie verlängert. Unternehmenskreise bestätigten Presseberichte, nach denen die Banken darüber streiten, ob der angeschlagene Hersteller von Büroartikeln weiter unterstützt werden soll. Doch wollte man bei dem Unternehmen weder bestätigen noch dementieren, dass die Kreditlinien, die bis Ende März laufen, nicht verlängert werden sollen. Seit knapp einem Jahr verfügen Kreditinstitute über 70 Prozent der Anteile an Herlitz, die im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von rund 500 Millionen Euro über 51 Millionen Euro Verluste schrieben. Der Schuldenstand lag damals bei rund 360 Millionen Euro. Bei Herlitz arbeiten derzeit noch rund 3000 Menschen, etwa 500 davon im Außendienst.

Herlitz reagierte mit Bedauern auf die Diskussion der Banker. Diese würde den Sanierungsprozess erschweren und fahrlässig Arbeitsplätze aufs Spiel setzten. Dabei halte man die Ziele ein, die man den Banken bisher in Aussicht gestellt habe. Noch im Dezember hätten die Banken festgestellt, dass die "Verlängerung des Engagements" angesichts der Perspektiven "konstruktiv" behandelt werden solle. Das erste Quartal sei "gut angelaufen", hieß es bei Herlitz weiter. Genaue Angaben über die Prognosen oder die Höhe des derzeit zur Verfügung stehenden Kapitals machte das Unternehmen aber nicht. Bei ihrer nächsten Sitzung Ende Februar sollen die Banken über die strittige Frage entscheiden.

Die Mehrheit der Banken, unter ihnen der Konsortialführer Deutsche Bank AG, hielten weiterhin zu dem Unternehmen, hieß es. Als Gegner wurde die Hypo-Vereinsbank genannt, die auch für die Indiskretion verantwortlich gemacht wurde. Das Konsortium drängt dem Vernehmen nach darauf, die defizitäre Immobilie Falkensee zu veräußern. Auch sei eine Fusion mit der Schweizer Pelikan Holding AG erwünscht. Dort war am Donnerstag niemand zu erreichen.

Kritik wurde von den Banken offenbar auch daran geübt, dass immer noch kein neuer Vorstandsvorsitzender gefunden worden sei. Erst im Oktober des vergangenen Jahres hatte der als Sanierer geholte Werner Eisenhardt das Unternehmen nach Differenzen mit den Banken über den künftigen Sanierungskurs wieder verlassen. Eisenhardt, der mit großen Hoffnungen an der Spree empfangen worden war hatte weniger als zwei Jahre an der Spitze des Unternehmens gestanden.

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