Wirtschaft : Herlitz hat sich erholt, braucht aber einen Partner

Der Berliner Schreibwarenhersteller will mit Serviceleistungen wieder wachsen

Alexander Visser

Berlin - Nach der überstandenen Insolvenz schreibt der Berliner Schreibwarenhersteller Herlitz im hundertsten Jahr seines Bestehens wieder schwarze Zahlen. Dennoch kam bei der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft im Jubiläumsjahr keine Sektlaune auf. „Ohne einen neuen Investor wird Herlitz nicht wieder zur alten Größe aufsteigen“, sagte Vorstandschef Christian Supthut am Mittwoch vor rund 500 Aktionären. Herlitz sei auf der Suche nach einem strategischen Partner. Supthut wollte aber keine Details nennen, öffentliche Diskussionen würde Verhandlungen nur erschweren.

Der Papier-, Büro- und Schreibwarenhersteller erzielte im Geschäftsjahr 2003 ein positives Ergebnis von 1,1 Millionen Euro. Der Umsatz ging auf 347 Millionen Euro zurück. Im Vorjahr hatte er noch bei 376 Millionen Euro gelegen. Supthut führte den Rückgang von knapp 30 Millionen Euro auf die schwierige Marktsituation zurück. Für Herlitz seien wachsende Erträge aber wichtiger als steigende Umsätze, betonte Supthut.

In den ersten Monaten 2004 habe man sich trotz Konsumflaute gut behauptet. „Ich bin zuversichtlich, dass Herlitz auch den abzusehenden Marktentwicklungen und dem Preisdruck dieses Jahres trotzen kann“, sagte der Vorstandschef. Auf präzise Prognosen wollte sich Supthut in der noch nicht abgeschlossenen Umstrukturierung nicht einlassen. In Zukunft will Herlitz mit einer „Zwei-Säulen-Strategie“ wieder mehr Gewinn erwirtschaften. Neben der Produktion sollen Dienstleistungen die Bilanz beleben. Die Tochtergesellschaft eCom Logistik bietet Serviceleistungen im Schreibwarenbereich. Das Unternehmen bietet vor allem Frachtdienste und die Regalbewirtschaftung von Schreibwaren in Supermärkten an.

Supthut hob die Entwicklung der Auslandsgesellschaften in Frankreich und Portugal hervor, die nach Verlusten nun positive Ergebnisse ausweisen. Herlitz erziele rund 30 Prozent des Umsatzes im Ausland. Neben Berlin-Tegel betreibt Herlitz Werke in Brandenburg, Tschechien und Polen.

Herlitz hatte im April 2002 Insolvenz angemeldet, konnte mit Hilfe der Banken aber gerettet werden. Das Unternehmen gehört nun zu 64,7 Prozent einem Bankenkonsortium unter Führung der HypoVereinsbank. Der Rest liegt in den Händen von Kleinaktionären. Aktionärsvertreter Malte Diesselhorst von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz kritisierte die vagen Prognosen von Herlitz für das laufende Geschäftsjahr, lobte aber, dass das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreibe.

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