Wirtschaft : Herlitz nach erstem Halbjahr enttäuscht

BERLIN (chi).Die Negativmeldungen reißen bei der Herlitz AG nicht ab.Trotz einer leichten Umsatzausweitung hat der Papier- und Büroartikelhersteller im ersten Halbjahr im Konzern einen Verlust von 43 Mill.DM eingefahren, nach einem Minus von 28 Mill.DM noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres.In dem am Freitag veröffentlichten Zwischenbericht machte der Vorstand den Aktionären wenig Hoffnung.Im Kernbereich Papier-, Büro- und Schreibwaren der Herlitz PBS AG seien "die Marktveränderungen so gravierend, daß wir für das Gesamtjahr mit einer Verschlechterung des operativen Ergebnisses gegenüber dem Vorjahr rechnen müssen".Für den Konzern allerdings erwartet der Vorstand eine Verbesserung des Ergebnisses - im Vorjahr hatte Herlitz einen Verlust von 90 Mill.DM ausgewiesen -, schwarze Zahlen werde es aber auch im operativen Bereich noch nicht geben.Sollten nicht noch "außerordentlichen Gewinne" auftreten, könne er daher für 1998 keine Dividende in Aussicht stellen, sagte Finanzvorstand Martin Kleinschmitt dem Tagesspiegel.

Dennoch erwartet der Vorstand ein besseres zweites Halbjahr.Schulanfang und Weihnachten seien traditionell Umsatz- und Ertragsschwerpunkte der Branche.Belastend wirke sich vielmehr der harte Preiswettbewerb aus.Allein der PBS-Bereich hatte im ersten Halbjahr einen Verlust von 25 Mill.DM eingefahren, nach zehn Mill.DM im Vorjahreszeitraum.Um zumindest auf der Kostenseite gegenzusteuern, will der Vorstand deshalb das bereits eingeleitete Restrukturierungsprogramm beschleunigen "und weitgehend auf dieses Jahr" vorziehen.

Kernelemente der Restrukturierung sind die Aufgabe von Fertigungsstandorten, die Verlagerung von arbeitsintensiven Fertigungen nach Polen und Tschechien, Sortimentsbereinigungen und eine Straffung der internen Produktionsabläufe.Wie viele der gegenwärtig noch rund 4600 Stellen im Konzern gestrichen werden, wollte der Vorstand noch nicht sagen.Ende September wird allerdings die Fertigung in Haan im Rheinland geschlossen, über drei weitere Standortschließungen sei noch nicht entschieden.Berlin/Falkensee werde eher davon profitieren, zumal auch hier die Logistik konzentriert werden soll.

Auch wird ein "internationaler Partner" gesucht, einen Verkauf könne er sich aber "nicht vorstellen", sagte Kleinschmitt.Dagegen könnte bei der Immobilientochter Herlitz Falkenhöh AG noch in diesem Jahr eine Entscheidung fallen.Geplant ist auch der Verkauf der Herlitz International Trading (HIT), doch stehe man "nicht unter Druck".HIT hat im ersten Halbjahr das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit mit minus 2,8 Mill.DM etwa auf Vorjahreshöhe gehalten, der Umsatz fiel durch die Rückgabe der Vertriebsrechte in Rußland und den Verkauf der Schweizer Papierfabrik Zwingen um 22 Prozent auf 178 Mill.DM.

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