Wirtschaft : Herlitz schreibt wieder schwarze Zahlen

Berliner Büroartikelhersteller will Produktion bis Ende Mai komplett nach Falkensee verlagern

Maren Peters

Berlin - Der Berliner Büroartikelhersteller Herlitz hat 2006 wieder einen Gewinn gemacht, musste aber einen weiteren Umsatzrückgang verkraften. Eine Dividende wird das Unternehmen auf absehbare Zeit nicht zahlen. „Das vergangene Jahr war ganz eindeutig das Jahr der Neuausrichtung des Konzerns“, sagte Vorstandschef Jan Van Riet bei der Bilanzvorlage am Dienstag in Berlin. Dazu gehörte auch der Abbau von 250 Arbeitsplätzen und die Verlängerung der Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden. Bis zum Herbst sollen 50 weitere Stellen in Deutschland gestrichen werden, kündigte Van Riet an. Die Börse glaubt offenbar an eine Umstrukturierung. Der Aktienkurs stieg in Frankfurt um 17,65 Prozent auf vier Euro.

Das Berliner Traditionsunternehmen hatte im Jahr 2002 Insolvenz anmelden müssen und danach eine umfangreiche Neustrukturierung eingeleitet. 64,7 Prozent des Grundkapitals gehören seit Oktober 2005 dem amerikanischen Finanzinvestor Advent, 34 Prozent liegen in der Hand freier Aktionäre. Ob auch noch Vertreter der Familie Herlitz Anteile am Unternehmen halten, ist Vorstandschef Van Riet nicht bekannt. Sollte dies der Fall sein, liege der Anteil nicht über der meldepflichtigen Schwelle von fünf Prozent, sagte er.

Van Riet will die Umstrukturierung des Papier-, Büro- und Schreibwarenherstellers in diesem Jahr abschließen. Bis Ende Mai soll der Umzug der Produktion von Tegel nach Falkensee bei Spandau beendet sein, wo das riesige Logistikzentrum von Herlitz steht. In Falkensee arbeiten dann insgesamt 900 Mitarbeiter. In Tegel, wo auch künftig der Sitz der Verwaltung sein wird, werden es zum Jahresende noch 100 sein. Die Immobilien an beiden Standorten waren nach der Insolvenz 2002 verkauft worden, Herlitz hat die Gebäude zurückgemietet.

Ende des Jahres will das Unternehmen weltweit noch 2300 Mitarbeiter beschäftigen, davon 1500 in Deutschland.

Auch im vergangenen Jahr konnte Herlitz den Umsatzrückgang nicht bremsen. Die Erlöse sanken um 9,1 Prozent auf 308,5 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg dagegen um 5,2 Millionen auf 3,9 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 1,3 Millionen Euro verbucht.

Als Begründung für den Umsatzrückgang gab Vorstandschef Van Riet das schwache Abschneiden im Lebensmitteleinzelhandel an, wo Herlitz bei Ausschreibungen bei einem nicht näher benannten Kunden nicht zum Zuge gekommen war. Darüber hinaus macht der Preiswettbewerb mit den Discountern dem Berliner Schreibblockhersteller zu schaffen. „Es gibt Händler, die bereit sind, unter Fachhandelspreis zu verkaufen“, sagte Van Riet. Im Fachhandel konnte Herlitz seinen Marktanteil dagegen leicht steigern. Besser als in Deutschland lief das Geschäft im Ausland. Dank neuer Absatzmärkte in Osteuropa konnte Herlitz den Exportanteil im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 37 Prozent steigern. In Rumänien stellt Herlitz sogar neue Mitarbeiter ein.

Im laufenden Jahr rechnet Van Riet mit einem weiteren Umsatzrückgang – trotz neuer Produkte wie dem „mitwachsenden“ Schulranzen, der sich dank eines höhenverstellbaren Schultergurts der Größe des Kindes anpasst. Wegen der Erhöhung der Rohstoffpreise seien Preiserhöhungen im Markt unvermeidlich, kündigte er an. 2008 erwartet Van Riet wieder ein Umsatzplus. Zukäufe schloss Finanzchef Jan von Schuckmann nicht aus, die nötigen Mittel seien vorhanden. „Wir sehen uns vor allem in Osteuropa nach Akquisitionsobjekten um“, sagte er.

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