Wirtschaft : Herlitz soll nicht filetiert werden

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Herlitz soll nicht zerschlagen werden. Der Insolvenzverwalter des Büroartikelherstellers, Peter Leonhardt, sagte am Donnerstag dem Tagesspiegel, "zunächst wird Herlitz im Ganzen weitergeführt." Mit potenziellen Investoren gebe es bislang keine Gespräche. "Ich will das Unternehmen nicht filetieren, sondern in seinem Bestand erhalten", sagte Leonhardt. Er sei relativ optimistisch, dies auch erreichen zu können. Im Moment werde auch nicht über eine Stillegung von einzelnen Unternehmensteilen nachgedacht. "Sicher ist aber: Wir müssen die Kosten runterfahren."

Neben den Zinsen für hohe Altschulden von rund 300 Millionen Euro drücken vor allem laufende Immobilienkosten auf Herlitz. Insbesondere das Logistikzentrum in Falkensee kommt das Unternehmen teuer zu stehen. "Es erzeugt riesige Kosten und wird nicht genügend genutzt", sagte Leonhardt. "Aber wir können nicht alles anders machen. Ohne das Zentrum kämen wir auch nicht klar."

Im Unternehmen selber werden die Verhandlungen über einen Massekredit, der die Weiterführung des Geschäfts ermöglichen soll, vorbereitet. Am kommenden Montag beginnen die Verhandlungen mit den Banken. "Wir arbeiten alle auf den Termin hin", sagte Herlitz-Sprecherin Beate Haumesser auf Anfrage. "Ansonsten hat sich nichts geändert. Wir produzieren weiter." Insolvenzverwalter Leonhardt setzt auch auf eine Verständigung mit den Banken: "Kommt der Massekredit, ist der Bestand des Unternehmens für die nächsten drei Monate gesichert."

Die Banken halten sich allerdings noch bedeckt. Die Bedingungen, mit denen man in die Verhandlungen gehe, wollte ein Sprecher der Deutschen Bank nicht nennen. Das Institut ist Poolführer der Banken, die Herlitz bisher mit Krediten versorgten. "Der Insolvenzverwalter ist jetzt Herr des Verfahrens", sagte der Sprecher. Die aktuelle Situation sei deshalb nicht zu vergleichen mit der vor dem Insolvenzantrag.

Die Insolvenz der Herlitz AG bedeutet nicht, dass alle Töchter des Unternehmens ebenfalls Insolvenz anmelden müssen. "Die Tochtergesellschaften sind dabei zu prüfen, ob sie solch einen Schritt gehen müssen", sagte Herlitz-Sprecherin Haumesser. Bei der Falken Office Products GmbH im brandenburgischen Peitz, die zu 100 Prozent Herlitz gehört, konnte Leonhardt eine solche Maßnahme zunächst verhindern. Die nächste Woche werde dort noch abgewartet. "Es gibt keinen Grund, das Unternehmen mit in die Insolvenz zu ziehen, schließlich schreibt es schwarze Zahlen", sagte der Insolvenzverwalter. Einen Unsicherheitsfaktor gibt es aber für die Herlitz-Tochter, die rund 430 Mitarbeiter beschäftigt. Kommt der Massekredit für Herlitz nicht, könnten auch Falken die flüssigen Mittel ausgehen.

Keine Kaufangebote

In Branchenkreisen zeigte man sich wenig überrascht von der Herlitz-Insolvenz. Jedem, dem der Schuldenstand und der Geschäftsverlauf bekannt war, sei klar gewesen, was passieren würde. Die Konkurrenten hielten sich daher bislang mit Angeboten zurück. So bestritt Pelikan in Hannover bereits jegliches Interesse.

Die Branche leidet unter einem rückläufigen Geschäft, sagte Thomas Bona, Geschäftsführer des Industrieverbandes Papier, Bürobedarf und Schreibwaren. Auch in diesem Jahr schrumpfte die Nachfrage, in den ersten drei Monaten noch einmal um durchschnittlich zehn Prozent. Daher wundere es Bona, dass Herlitz für das erste Quartal bessere Geschäfte melde. Das Unternehmen sei vor allem im Selbstbedienungsbereich engagiert, wo besonders große Rückgänge zu verzeichnen waren. Aber auch in den letzten zwölf Monaten habe sich Herlitz schon "in die Tasche gelogen".

Der Handel wiederum sieht die Herlitz-Insolvenz gelassen. "Es wird in keinem Fall zu Versorgungsengpässen kommen", sagte Thomas Grothkopp, Geschäftsführer des Bundesverbandes Bürowirtschaft. "Aus unserer Perspektive wird Herlitz nicht benötigt." Selbst wenn einige Unternehmen Pleite gingen, hätte das kaum Auswirkungen. Technisch wenig anspruchsvolle Büroprodukte seien von der Konkurrenz komplett ersetzbar. Allerdings rechne der Bundesverband nicht mit weiteren Insolvenzen bei Herstellern von Bürobedarf. "Dafür gibt es keine Anzeichen", sagte Grothkopp.

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