HERMANN RUDOLPH trifft … : Heik Afheldt

Kolumnist.

Heik Afheldt,
Heik Afheldt,

Diskretes Teller- und Tassengeklapper, Frühstücksatmosphäre an einem Dezembermorgen. Doch der Gast vor Kaffee und Croissant könnte das Café Einstein in der Kurfürstenstraße gut und gerne auch als einen Arbeitsort betrachten. Denn hier hat Heik Afheldt – halbe Brille, ruhiger Blick, freundliche Zugewandtheit – einen guten Teil der Gesprächspartner getroffen, die er für den Tagesspiegel in den vergangenen Jahren porträtiert hat. Rund 400 Gespräche werden es gewesen sein, schätzt er. Genügend Anlass, ihn hier zu treffen – zum Ende einer Kolumnistenreise, die im Mai 2004 begann.

Wer diese Kolumne gelesen hat, weiß wozu Porträts gut sind: Sie geben dem Leben der Stadt ein Gesicht, entdecken es in Personen und Geschichten neu. Dass sie vor allem die Wirtschaft betrafen, hat einen einfachen Grund: Heik Afheldt ist Ökonom. Dass er seine Diplomarbeit über die „Betriebswirtschaft des Wanderzirkus“ geschrieben hat, zeigt allerdings, dass er nicht dazu neigt, die Dinge allzu eng zu sehen – und ein bisschen Lebensmotto steckt vielleicht auch darin.

Da mag es auch kein Zufall sein, dass ihm beim Rückblick auf sein Studium Carl Friedrich von Weizsäcker einfällt, der damals in Hamburg lehrte und eine philosophisch-zeitdiagnostische Leuchte war. Denn Afheldt hat beruflich immer Positionen gesucht, die Weitblick versprachen. Eine erste Karriere machte er in der Unternehmensberatung und Umfrageforschung, deren Blüte damals begann. Bald ein Vierteljahrhundert war er bei Prognos in Basel, einer Edelmarke der Branche, zehn Jahre davon an der Spitze. 1988, gerade fünfzig Jahre alt geworden, startete er die zweite Karriere, nun in der Welt der Zeitungen: erst in der Führung der „Wirtschaftswoche“, dann des „Handelsblatts“, schließlich, seit 1998, als Mitherausgeber des Tagesspiegels. Seitdem hat er den Status des Zweitwohnungs-Berliners.

Dazu beigetragen hat sein Engagement für die Kunsthochschule Weißensee – halb getragen von der Überzeugung der Wichtigkeit ehrenamtlicher Tätigkeit, halb aus Leidenschaft für alles, was mit Kreativität zu tun hat. Seitdem entgeht kein Gesprächspartner seinem Versuch, zu erklären, wer Mart Stam war: nämlich ein Pionier der Moderne, der nach dem Kriege Direktor in Weißensee wurde, bevor er sich mit der DDR überwarf. Seinen Namen trägt der Förderkreis für die Hochschule, dessen Vorsitzender – und Motor – Afheldt ist.

Aus Hamburg, wo er aufgewachsen ist und ein Drittel seiner Lebenszeit verbracht hat, hat er den Sinn für Gezeiten und Ambivalenzen mitgebracht – der Segler Afheldt frischt ihn gern durch weite Elbblicke vom Blankeneser Ufer aus auf. Das war eine gute Disposition für seine Kolumnen, die ihn mit den unterschiedlichsten Menschen in dieser Stadt zusammengebracht haben. Immer wieder ist er dabei auf eindrucksvolle, auch verblüffende Personen oder Lebensentwürfe gestoßen – auf ungewöhnliche Karrieren, auf mutige Gründer oder innovative Köpfe. Insofern waren sie oft kleine Expeditionen in die produktiven Zonen dieser Gesellschaft. Sie trafen damit das Interesse am Fortgang von Wirtschaft und Gesellschaft, das Afheldt umtreibt. Auch das ist ein Grund dafür, dass die Honorarprofessur, die er an der Weißenseer Hochschule bekleidet, der angewandten Zukunftsforschung gewidmet ist.

Heik Afheldt war, Hermann Rudolph ist Herausgeber des Tagesspiegels.

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