Wirtschaft : Heros: 18 Millionen Euro Finderlohn

Insolvenzverwalter setzt bei der Suche nach verschwundenem Firmenvermögen auf anonyme Hinweise

Sonia Shinde

Frankfurt am Main - Im Betrugsfall um den Geldtransporteur Heros schreibt Insolvenzverwalter Manuel Sack eine Belohnung in Millionenhöhe aus. Davon erhofft er sich Hinweise auf noch versteckte Beutegelder. Bislang hat Sack sechs Millionen Euro in Form von Bargeld, Grundstücken und Autos sichergestellt. Nach seinen Angaben sind aber noch rund 90 Millionen Euro spurlos verschwunden.

Sack zufolge gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die verschwundenen Millionen auf Bankkonten, in Immobilien, teuren Fahrzeugen und Luxusartikeln in Deutschland, Bulgarien, Österreich, der Schweiz, der Slowakei und Spanien schlummern. Er rechne mit einer Vielzahl kleinerer Beträge, die es aufzuspüren gelte. Derzeit ermittele man gegen 50 potentielle Täter. „Die Abwicklung und die Suche nach dem Geld werden uns wohl die kommenden zehn Jahre beschäftigen“, sagte Sack.

Dabei setzt der Insolvenzverwalter jetzt auch auf anonyme Hinweisgeber, die sich telefonisch unter der Nummer 069 / 25 78 07 90 an Ombudsmann Wolfgang Gerhards wenden können. Der ehemalige Justizminister von Nordrhein-Westfalen und Finanzminister von Sachsen-Anhalt rechnet vor allem mit Hinweisen von Mittelsmännern, ehemaligen Kollegen, Geschäftspartnern, Bekannten und Familienangehörigen, die unwissentlich beim Verstecken und Verschleiern der Beute geholfen haben könnten. Ihnen winken bis zu 18 Millionen Euro Belohnung.

Insgesamt soll die Heros-Führungsriege um Karl-Heinz Weis rund 400 Millionen Euro veruntreut haben, indem sie jahrelang die Tageseinnahmen von rund 1000 Einzelhändlern, Supermarktketten und Banken abzweigte. Nach Sacks Erkenntnissen flossen rund 250 Millionen Euro in das marode Heros-Unternehmensgeflecht, etwa 20 Millionen Euro sollen die Manager für Luxusuhren, Spielcasino-Besuche und ein Hotel in Bulgarien verbraucht haben. Im Februar 2006 flog der Schwindel auf, Heros musste Insolvenz anmelden. Im Sommer übernahm der US-Investor Matlin Patterson das Unternehmen, das seitdem unter dem Namen Securlog firmiert.

Das Landgericht Hildesheim verurteilte die vier Angeklagten Ende Mai wegen Untreue und Beihilfe sowie Insolvenzverschleppung und Bankrott zu Haftstrafen zwischen sechseinhalb und zehn Jahren. Alle vier haben Revision eingelegt. Heros-Gründer Weis muss sich in einem weiteren Verfahren dem Vorwurf der persönlichen Bereicherung stellen. Er hat inzwischen Privatinsolvenz angemeldet. Gegen seine Frau und seine beiden Töchter ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen des Verdachts der Geldwäsche. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie ingesamt mehrere hunderttausend Euro über ein Treuhandkonto verschoben haben. HB

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