Wirtschaft : Heros-Chef muss zehn Jahre in Haft

Hohe Strafen für Karl-Heinz Weis und drei Manager. Transportfirma hatte Geld ihrer Kunden unterschlagen

Sonia Shinde

Hildesheim - Mit hohen Haftstrafen ist vor dem Landgericht Hildesheim der Heros-Prozess zu Ende gegangen. Firmengründer Karl-Heinz Weis muss wegen schwerer Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott in 157 Fällen für zehn Jahre hinter Gitter, die drei mitangeklagten Heros-Manager – Niederlassungsleiter in Hamburg und Viersen sowie ein Prokurist – bekamen Haftstrafen zwischen sechseinhalb Jahren und acht Jahren. Ihnen wird ebenfalls Untreue im besonders schweren Fall beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen.

Weis und seine Mitarbeiter haben nach Auffassung des Vorsitzenden Richters Ulrich Schmidt zwischen Februar 2001 und Februar 2006 Tageseinnahmen großer Supermarktketten wie Rewe, Aldi, Schlecker, Tengelmann und Bargeld von Banken – unter anderem der Deutschen Bank, der Citi- und der Commerzbank sowie der DZ-Bank – veruntreut, um Finanzlöcher im Heros-Firmengeflecht zu stopfen, aber auch, um sich persönlich zu bereichern. Insgesamt sei ein Schaden von mindestens 469 Millionen Euro entstanden.

Drei der vier Verteidiger wollen in Revision gehen. Weis muss sich darüber hinaus noch in einem weiteren Verfahren wegen des Vorwurfs der persönlichen Bereicherung verantworten. 61 Autos, Immobilien im In- und Ausland und Schmuck für mehr als zwei Millionen Euro soll er mit fremdem Geld gekauft haben. Wird er auch dort verurteilt, gibt es „Strafnachschlag“. Weis hat inzwischen Privatinsolvenz angemeldet. Immer noch sind laut Insolvenzverwalter rund 70 Millionen Euro spurlos verschwunden.

Das System der Geldtransportefirma Heros war einfach, aber effektiv: Anfangs über Bargeld, später per Überweisungen installierte Weis ein Schneeballsystem. Der Grund: Heros arbeitete schon seit Mitte der 80er Jahre defizitär. Deshalb wurden bereits damals vereinzelt Kundengelder abgezweigt, um das Unternehmen zu stützen, die so entstandenen Lücken wurden mit „frischem“ Geld anderer Kunden gestopft. Anfang der 90er Jahre spitzte sich die Lage zu, das Schneeballsystem wurde zur Lawine. Als Ende 2005 Großkunde Lidl absprang, war die Lücke im System nicht mehr zu schließen. Im Februar 2006 meldete Heros Insolvenz an, am 17. Februar wurden die Manager festgenommen. Als letzten Akt wollten die Spitzenkräfte jedoch ihren kleinen Kunden noch einmal Geld zukommen lassen. Sie nahmen von drei Großbanken 48,2 Millionen Euro und beglichen damit Forderungen kleinerer Firmen. Das Gericht wertete die „Robin-Hood-Tat“ jedoch als Untreue.

Weder die Bundesbank, bei der Heros die beiden zentralen Konten für ihre Transaktionen unterhielt, noch die meisten Handelskunden trügen eine Mitschuld, sagte Richter Schmidt. Allerdings habe die Struktur des Gewerbes die Taten erleichtert. „Es ist bedauerlich, dass es in so einem wichtigen wirtschaftlichen Bereich keine Kontrollen gibt“, sagte er.

Nach wie vor ist das Transportgewerbe bar jeder einheitlichen Kontrolle. Weder die Bundesbank noch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sind für die Branche zuständig, Transporteure, Handel und Banken basteln an eigenen Konzepten für mehr Sicherheit.

Zwar verabschiedete der Branchenverband BDGW neue Richtlinien und strengere Kontrollen, doch die Einzelhändler trauen ihnen offenbar nicht. So hat der Einzelhandelsverband HDE selber die Transporteure unter die Lupe genommen. 44 Firmen sollen von den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young durchleuchtet werden, die ersten fünf wurden bereits geprüft. Auch eine künftige Zusammenarbeit mit dem BDGW stehe zur Debatte, heißt es. Doch nicht allen großen Handelsunternehmen ist das HDE-Vorgehen geheuer. Auch bei den Banken sei „keine gemeinsame Kontrolllösung in Sicht“, heißt es aus Kreisen des Zentralen Kreditausschusses (ZKA).HB/mit dpa

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