Wirtschaft : Hertie plant Übernahmen Insolventer Einzelhändler eröffnet neues Warenhaus

Düsseldorf - Trotz des eigenen Insolvenzverfahrens prüft die Warenhauskette Hertie die Übernahme von Filialen der ebenfalls insolventen Warenhäuser Sinn-Leffers und Wehmeyer. Das kündigte der vorläufige Insolvenzverwalter Biner Bähr am Mittwoch in Essen an. Im nächsten Monat sei zunächst die Eröffnung eines neuen Warenhauses im bayerischen Straubing geplant. Zudem will Hertie jedes Warenhaus individuell der lokalen Wettbewerbssituation anpassen. Möglichst viele Abteilungen sollen von Lieferanten wie S.Oliver oder Tom Tailor selbstständig geführt werden, sagte Bähr. Ziel sei es, noch 2009 in die schwarzen Zahlen zurückzukehren. Hertie hatte Ende Juli Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen hat rund 3400 Mitarbeiter.

Das vorgelegte Rettungspaket stößt bei Branchenexperten auf große Skepsis. „Das Konzept überzeugt mich nicht“, sagte Michael Hauf, Chef der Bielefelder Modeberatung Hachmeister +Partner. Und auch Michael Stoermer, Einzelhandelsexperte der Münchener Beratungsfirma Value Management Partner, gibt dem Rettungsversuch wenig Chancen: „Mit den präsentierten Rezepten versuchen es andere bereits seit fünf Jahren“, moniert er, „bislang jedoch ergebnislos.“ Ein ähnliches Konzept habe etwa der inzwischen gescheiterte Hertie-Vorbesitzer Dawnay Day nach der Übernahme im Herbst 2005 vorgelegt.

Dass Hertie es weiterhin seinen Lieferanten überlassen will, welche Produkte in den Laden kommen, halten die Experten für bedenklich. „Damit wird Hertie praktisch austauschbar“, kritisiert Stoermer. Schließlich gebe es häufig das gleiche Sortiment auch bei den Konkurrenten Kaufhof, Karstadt oder dem nächsten Fachhändler um die Ecke. „Die eigentliche Leistung des Einzelhändlers ist die professionelle Vorauswahl für den Kunden“, sagt er. So etwas aber lasse das für Hertie entworfene Geschäftsmodell kaum noch zu.cs (HB)/pet

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