Wirtschaft : Heuern und feuern bei Deutschlands Nachbarn

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Anhänger des amerikanischen Sprichworts „No fire, no hire“ führen gerne die Schweiz als leuchtendes Beispiel an: Ein Ranking des kanadischen Fraser Institute zählt die Alpenrepublik zu den fünf „wirtschaftlich liberalsten Staaten der Welt“. Die Arbeitslosigkeit pendelt um die DreiProzent-Marke. Schweizer Unternehmer können Mitarbeiter ohne viel Aufwand entlassen. Besonderen Schutz genießen nur Schwangere, Kranke und Eidgenossen, die zum Militär einrücken oder an einer „Hilfsaktion im Ausland“ beteiligt sind. Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat im ersten Jahr nach der Probezeit, danach zwei Monate. Einen Katalog von Kündigungsgründen gibt es nicht. Schweizerische Gewerkschafter bestreiten allerdings, dass die lockere Regelung Arbeitslose von der Straße holt.

Andere europäische Länder mit einem niedrigen Kündigungsschutz sind Dänemark und Großbritannien. Jeder vierte Däne ist einmal pro Jahr arbeitslos. Allerdings dauert es im Durchschnitt 14 Wochen, bis er wieder einen Job hat, in Deutschland vergehen 35 Wochen. Seit der Arbeitsmarktreform 1994 ist die Arbeitslosigkeit von zwölf auf unter fünf Prozent gefallen. In Frankreich hingegen erkennen Gerichte betriebsbedingte Kündigungen nur bei gefährdeter Wettbewerbsfähigkeit an, die Renditesteigerung reicht als Grund nicht aus. Teuer wird eine Kündigung für italienische Arbeitgeber: Dort ist für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit ein Monatsgehalt Abfindung fällig. jaf

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