Wirtschaft : Heuschrecken-TV

Die Finanzinvestoren KKR und Permira kaufen Pro Sieben Sat 1 für drei Milliarden Euro und planen eine europäische Sendergruppe

Nicole Huss

München - Der Milliardenpoker um den Verkauf von Pro Sieben Sat 1, Deutschlands größten Fernsehkonzern, ist entschieden. Den Zuschlag erhielt am Donnerstag das Konsortium der Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Permira, wie aus Verhandlungskreisen bekannt wurde. Die Bayerische Staatskanzlei bestätigte das Geschäft. Eine offizielle Mitteilung sollte noch am Donnerstag folgen.

Der Preis, den KKR und Permira für den 50,5-Prozent-Anteil an der Sendergruppe bezahlen, soll bei annähernd drei Milliarden Euro liegen. Das Konsortium schlug unter anderem den türkischen Medienkonzern Dogan aus dem Rennen, bei dem kürzlich der Axel-Springer-Verlag als Mitgesellschafter eingestiegen war. Mitgeboten hatten auch ein Konsortium aus den Finanzinvestoren Apax und Goldman Sachs sowie der Medienkonzern Mediaset des früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

Saban und seine Partner, darunter die Finanzinvestoren Hellman & Friedman, Providence und Bain, hatten die Senderkette (Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1, N 24, Neun Live) 2003 für nur 525 Millionen Euro aus dem zusammengebrochenen Kirch-Imperium übernommen.

Maßgebend für den Zuschlag war nach Angaben aus Verhandlungskreisen neben dem Preis die Tatsache, dass KKR und Permira als einzige Bieter ein strategisches Konzept vorgelegt haben. Sie wollen Pro Sieben Sat 1 mit ihrem europäischen Sender SBS Broadcasting zu einem international agierenden TV-Konzern verschmelzen. Während Pro Sieben Sat 1 bisher ausschließlich in Deutschland tätig ist, ist SBS in den Benelux-Ländern, Skandinavien und Osteuropa mit 39 Fernsehkanälen und 24 Radiosendern vertreten. Pro Sieben Sat1 soll mit seinen 2800 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als zwei Milliarden Euro in dem neuen Konzern die Hauptrolle spielen. Konzernsitz soll München werden. Bisher wird das internationale Fernseh- und Radiogeschäft von der in Luxemburg ansässigen RTL Group dominiert.

Der Verkauf von Pro Sieben Sat 1 ist Saban und seinen Partnern erst im zweiten Anlauf gelungen. Im Februar war der Verkauf an den Axel-Springer-Verlag für 2,45 Milliarden Euro am Veto des Bundeskartellamts und der Medienaufsicht gescheitert. Die Wettbewerbshüter befürchteten offenbar auch diesmal, dass Springer über seine Beteiligung an der türkischen Dogan-Gruppe doch noch der Einstieg bei Pro Sieben Sat 1 gelingen könnte. Mit den neuen Eigentümern KKR und Permira dürfte es kartellrechtliche Probleme nicht geben. Permira hat kürzlich sein letztes Aktienpaket an dem Bezahlsender Premiere verkauft.

Der Betriebsrat von Pro Sieben Sat 1 zeigte sich zufrieden. „Das ist die Lösung, die wir uns insgeheim gewünscht hatten“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Hubertus Steinacher, dem Tagesspiegel. Eine Fusion mit SBS biete die Chance, zu einem großen europäischen Medienkonzern zu werden, der neue Märkte erschließen könne. Stellenabbau und Umzugspläne seien nicht zu befürchten.

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