Wirtschaft : Hewlett Packard verbündet sich mit Disney

HP-Chefin Carly Fiorina setzt auf neue Branchen – am Geschäft mit PCs will sie aber trotzdem festhalten

-

Orlando (tnt/HB). Trotz heftiger Preiskämpfe mit dem Konkurrenten Dell wird der weltweit zweitgrößte Computerkonzern HewlettPackard (HP) auch langfristig am PC-Geschäft festhalten. „HP wird auch in fünf Jahren einer der großen Anbieter im PC-Geschäft sein“, kündigt HP-Chefin Carly Fiorina im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ an. „Der PC ist und bleibt ein sehr wichtiges Produkt in unserem Portfolio.“ Für den gesamten PC-Markt prognostiziert die HP-Chefin eine weiter „sehr rasche Konsolidierung“.

Seit November 2002 sind HP und der ehemalige Konkurrent Compaq zu einem Konzern verschmolzen. HP-Chefin Carly Fiorina hatte nach der Fusion angeordnet, von den weltweit 145000 Jobs rund zehn Prozent zu streichen. Vor allem mit dieser Maßnahme wollte die Managerin im Gesamtkonzern Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr einsparen.

Im Wettlauf um den PC-Massenmarkt setzt HP auf Größe und einen langen Atem: „Wir haben bereits heute einen größeren Marktanteil im PC-Geschäft als IBM, Fujitsu Siemens und Toshiba zusammen.“ Von Marktführer Dell „trennt HP wesentlich weniger als eine Monatsproduktion“, sagt Fiorina weiter. Zudem heißt es im HP-Management, man könne zeitweilige Verluste der PC-Sparte mit Gewinnen im Service-Geschäft ausgleichen. Dell könne das nicht.

Geringere Kosten als Konkurrent Dell

Die Texaner versuchen derzeit, durch radikale Preissenkungen ihren Vorsprung auszubauen. Doch langfristig sieht sich HP gut gerüstet und setzt darauf, im Wettbewerb gegen Dell besser positioniert zu sein: „Wir produzieren PCs bereits heute zu geringeren Kosten als Dell“, sagt Jeff Clarke, der im HP-Vorstand für den weltweiten Einkauf sowie die Produktion verantwortlich ist.

HP setzt pro Jahr rund fünf Milliarden Dollar (rund 4,2 Milliarden Euro) mit PCs, Notebooks und Taschencomputern, so genannten Handhelds, um. Im dritten Quartal des im Oktober zu Ende gehenden HP-Geschäftsjahres 2003 hatten erneute Verluste in dem unter dem Namen „Personal Systems Group“ zusammengefassten Geschäftsfeld kurzfristig zu einem heftigen Kursverlust der HP-Aktie geführt. Für das Gesamtjahr werde „jedes einzelne Segment des Konzerns schwarze Zahlen schreiben“, sagt Fiorina weiter. Zuletzt hatten vor allem Analysten wiederholt Zweifel an der Strategie der HP-Chefin geäußert.

Fiorina zielt jedoch auf Branchen wie die Medien- und die Konsumgüterindustrie, bei der das Firmenkundengeschäft eng mit dem Endanwendergeschäft verzahnt ist. Ende vergangener Woche hat HP eine Allianz für die kommenden zehn Jahre mit dem US-Unterhaltungskonzern Disney bekannt gegeben. Dabei liefert HP nicht nur die 70000 PCs und 10000 Server, die bei dem globalen Unterhaltungskonzern betrieben werden. Zunehmend engagiert sich HP auch in der Entwicklung von Technologie, die in den Disney-Themenparks zum Einsatz kommen.

So ist die neueste Attraktion im Vergnügungspark Walt Disney World Resort der Weltraumflugsimulator „Mission Space“, der gemeinsam von Disney-Ingenieuren und HP unter Beratung von Nasa-Spezialisten entwickelt wurde. Im August hatte HP rund 150 neue Produkte für Privatanwender auf den Markt gebracht. Sie sollen dem Konzern aus Palo Alto eine führende Stellung im wachsenden Markt der digitalen Fotografie und des Fotodrucks sichern.

„Das Rückgrat dieser neuen digitalen Konsumentenmärkte ist jedoch nach wie vor der PC“, sagt Michael Winkler, im Vorstand für die Vermarktung der HP-Produkte zuständig. Deshalb sei es von HP von strategischer Bedeutung, im PC-Markt eine führende Rolle zu spielen. Winkler, der in der Vergangenheit bei Compaq für die PC-Sparte verantwortlich gewesen ist, prognostiziert, „dass es im PC-Markt auf einen Zweikampf zwischen Dell und HP hinauslaufen wird“.

Aus Kostengründen hat HP die Produktion von Personalcomputern und Teile der Serverproduktion an Auftragsfertiger ausgelagert. Wie Clarke bestätigt, „gibt es Pläne, weitere HP-Produktionsstätten zu schließen.“ Was das für das deutsche Fertigungswerk für Serverrechner von HP in Herrenberg bei Stuttgart bedeutet, lässt er offen: „Jeder Standort muss im globalen Vergleich wettbewerbsfähig sein. Das gilt für Kalifornien genauso wie für Schanghai oder Deutschland“, sagt der HP-Vorstand. Manche Faktoren für die globale Wettbewerbsfähigkeit würden in Deutschland erfüllt, „viele andere nicht“, sagt Clark. „Garantien für den Fortbestand bestimmter Standorte gibt es nicht.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar