Wirtschaft : Hickhack um die Bewertung der Postbank

Bund will angeblich mindestens 32 Euro pro Aktieerzielen/Anlegerschützer raten zur Gelassenheit

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Berlin Das Ringen um eine faire Bewertung des Börsenkandidaten Postbank geht in die letzte Runde. Am Donnerstag – drei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe der Preisspanne für die Aktien – wurde darüber spekuliert, wo für die Bundesregierung die Schmerzgrenze beim Ausgabepreis liegen könnte. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ will der Bund mindestens 32 Euro pro Aktie erzielen. Der Bund ist Mehrheitseigentümer der Post, die die Hälfte der Postbank über die Börse verkaufen will. Die absolute Untergrenze liege bei 31,70 Euro. Lasse sich dieser Preis am Markt nicht durchsetzen, solle der Börsengang dem Bericht zufolge abgesagt werden. Ein Regierungssprecher lehnte einen Kommentar ab. Die Preisfindung sei eine Entscheidung der Banken, in die sich die Regierung nicht einmische. Direkt kommt der Bund ohnehin nicht in den Genuss des Emissionserlöses, da dieser zu 100 Prozent der Post zufließen soll.

Analysten halten einen Emissionspreis von maximal 30 Euro für angemessen. Dem Buchwert der Postbank (4,88 Milliarden Euro) würden 29,76 Euro entsprechen. Postchef Klaus Zumwinkel schätzt den tatsächlichen Unternehmenswert der Postbank auf bis zu sechs Milliarden Euro. Das Institut hat Finanzkreisen zufolge im ersten Quartal seinen Nettogewinn von 60 auf 92 Millionen Euro verbessert. Die Preisspanne für die Aktien, die am 21. Juni erstmals gehandelt werden sollen, wird am Sonntagabend bekanntgegeben. Am Montag nennt die Postbank Details zur Zeichnungsfrist.

Post und Postbank wollten sich am Donnerstag zu den Spekulationen nicht näher äußern. Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann kritisierte aber die öffentliche Diskussion: Dass die Debatte „in dieser Form zwischen den Fondsmanagern, den Analysten und den Investmentbanken geführt wird, ist neu und ist sicher auch überflüssig“, sagte von Schimmelmann im Fernsehsender „n-tv“. Die Spanne, innerhalb der die Postbankaktie gezeichnet werden könne, werde aber „sowohl für den Zeichner wie auch für den Aktionär interessant sein“.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz riet Anlegern zur Gelassenheit. „Man muss die Aktie nicht zeichnen“, sagte ein Sprecher. Das Papier sei für Langfristanleger aber interessant. „Die können warten, bis die Börse auf den Emissionspreis reagiert hat.“ mot

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