Wirtschaft : Hier wird Zukunft produziert!

Jetzt starten die Bauarbeiten für den CleanTech Business Park.

Lena Bulczak

Berlins größte Industriefläche wird real: Am 17. September soll auf dem Gelände an der Wolfener Straße der erste Spatenstich für den CleanTech Business Park Berlin-Marzahn erfolgen. In nur 20 Minuten Entfernung vom Alexanderplatz sollen sich hier ab 2015 große produzierende Unternehmen aus dem Bereich der umwelt- oder energierelevanten sauberen Technologien ansiedeln.

Das Besondere dabei: Das 90-Hektar-Gebiet ist als innerstädtische Industriefläche ausgewiesen, samt einer Kernzone für die Errichtung von Störfallanlagen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Auf dem Areal sind damit nahezu alle industriellen Prozesse erlaubt. Dabei liegt der CleanTech Park im Gewerbeareal Berlin eastside. In dem 1200 Hektar großen Gewerbegebiet sitzen bereits 2500 Firmen aus den verschiedensten Sparten. Auch die Zulieferer der Industrieunternehmen könnten sich damit in unmittelbarer Nähe ansiedeln. „Unser großes Plus ist die Flächenverfügbarkeit“, erklärt Wirtschaftsbezirksstadtrat Christian Gräff. Selbst ein großer Betrieb, der eine Fläche von 20 bis 30 Hektar braucht, könnte hier unter kommen. Zukünftig wird Berlin nur durch die Nachnutzung des Flughafens Tegel als Standort für Urban Technologies mit 20 Hektar als GI-Fläche Ähnliches anbieten können.

Das 90-Hektar-Areal gehört

zu den Leuchttumprojekten

Vergeben werden können die Grundstücke zwar erst mit Fertigstellung des Parks. Doch die Wirtschaftsförderung Marzahn-Hellersdorf hat schon heute Kontakt zu Interessenten wie der Linde Nippon Sanso GmbH, einem führenden Anbieter von Spezialgasen, und der BAE Batterien GmbH. Der Bleibatterie-Spezialist plant, künftig in die Herstellung von Lithium-Ionen-Akkus einzusteigen, die erneuerbaren Strom zum Beispiel aus der Photovoltaik speichern sollen. Seit Anfang des Jahres ist Jan IJspeert, Geschäftsführer der BAE Batterien, im Gespräch mit den Koordinatoren des CleanTech Business Parks und hat dabei das Gefühl, einen „proaktiven und mitdenkenden Partner“ für seine Expansionspläne gefunden zu haben. „Berlin bringt vieles mit“, sagt IJspeert. Dazu zählt er eine sehr gute Wissenschaftslandschaft, qualifizierte und bezahlbare Fachkräfte, günstige Grundstückspreise und eine attraktive Förderpolitik. Lediglich was die Struktur der industriellen Landschaft betrifft, sind beim BAE-Chef noch Wünsche offen. „Wir brauchen nicht nur Einzelkomponentenhersteller, sondern eine echte Berliner Wertschöpfungskette“, meint IJspeert.

Nicht nur bei IJspeert weckt der neue CleanTech Park große Hoffnungen. Die Aussicht auf die maßgeschneiderten Industrieflächen hat Berlin bereits im Jahr 2010 den Titel „Epizentrum des europäischen Clean Tech“ eingebracht. Das US-amerikanische „Business Facility Magazine“ listete Berlin in der Kategorie Green Tech/ Clean Tech Industries als Nummer eins. Ausschlaggebend für den Spitzenplatz waren die geplanten Marzahner Flächen. So wird das 90-Hektar-Areal eines der ersten sichtbaren Leuchtturmprojekte des Masterplans Industriestadt Berlin 2010 bis 2020. Mit diesem Plan wollen Politik, Verbände, Gewerkschaften und Fördereinrichtungen die Hauptstadt als Standort für Zukunftsindustrien und -technologien weiterentwickeln.

Die Verkehrsanbindung ließe sich noch verbessern

In der Hauptstadt kommen auf 1000 Einwohner gerade einmal 30 Industriearbeitsplätze. In Hamburg sind es dagegen doppelt so viele. Dabei sind nach Ansicht der IHK Berlin gerade die Jobs in der Industrie besonders wichtig. Sie bestimmen den Pulsschlag des Wirtschaftsstandortes Berlin. Jeder hier neu geschaffene Arbeitsplatz ziehe drei weitere in anderen Sektoren nach sich.

Dem Berliner Senat ist der CleanTech Park 42 Mio. Euro wert. Zusätzlich zur Investitionssumme erhielt die bezirkliche Wirtschaftsförderung Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) für Marketingmaßnahmen.

Doch die Verkehrsanbindung ließe sich laut Jochen Brückmann, Bereichsleiter Infrastruktur und Stadtentwicklung der IHK Berlin, noch deutlich verbessern – und damit auch das strukturelle Defizit an Industriearbeitsplätzen im Ostteil der Hauptstadt. Mit Spannung blickt Brückmann auch auf die Ende dieses Monats bevorstehende Entscheidung der Bundesverwaltungsrichter in Leipzig über den geplanten Ausbau der A 100. Der Weiterbau der Stadtautobahn soll die nordöstlichen Stadtteile besser an den neuen Flughafen anbinden.

Noch entscheidender für den CleanTech Park ist der Ausbau der neuen Tangentialverbindung Ost. Der Willy-Brandt-Flughafen wäre damit in 20 Minuten erreichbar und der CleanTech Park hätte eine schnelle Anbindung an den Forschungsstandort Berlin-Adlershof. Lena Bulczak

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