Wirtschaft : High-Tech: Bitkom halbiert Prognose für die Branche

tmh

Der Bundesverband Informationswirtschaft (IT), Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hat seine Prognosen für das diesjährige Wachstum der Branche fast halbiert. Die Zukunftsbranche werde im Jahr 2001 in Deutschland wohl nur noch um 4,6 Prozent auf 254 Milliarden Mark Gesamtumsatz zulegen, sagte Verbandspräsident Volker Jung. Damit korrigierte er die vier Monate alte Bitkom-Prognose, die noch ein Plus von 8,7 Prozent voraussagte, stark nach unten. Auch 2002 wird die Steigerungsrate mit 4,9 Prozent laut Bitkom kaum höher liegen. Mit diesen neuen Erwartungen würde das Branchenwachstum im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren mit Steigerungen von jeweils mehr als zehn Prozent gut halbiert. "Aber Schwarzmalerei ist nicht angebracht. IT bleibt ein Wachstumsmotor der Volkswirtschaft", sagte Jung.

Manche Bereiche der Branche müssten dabei sogar drastische Rückgänge verkraften, räumte Jung ein, der auch Vorstand der Münchner Siemens AG ist. So liege der Verkauf von Mobiltelefonen dieses Jahr voraussichtlich um ein Viertel unter dem 2000 erzielten Rekordwert von hier zu Lande 30 Millionen Geräten. "Im vergangenen Jahr wurden die Handys gekauft, in diesem Jahr wird telefoniert", sagte Jung. Auch lege der Hardware-Markt rund um Personal Computer zurzeit eine Wachstumspause ein. Für kommendes Jahr rechnet der Bitkom damit, dass nochmals fünf Prozent weniger Handys in Deutschland verkauft werden. Jung sieht das als Stabilisierung. Dagegen wüchsen Bereiche wie Internet, Software und Dienstleistungen mit jährlich bis zu 40 Prozent.

Alle neuen Prognosen versah Jung aber ausdrücklich mit dem Vorbehalt einer erfolgreichen Einführung des neuen UMTS-Standards für Mobiltelefonie in Deutschland. Derzeit sieht der Bitkom jedoch die Gefahr, dass sich die UMTS-Einführung zumindest verzögert. Denn zur Grundsatzfrage nach einer Wirtschaftlichkeit der Technologie komme nun in Deutschland eine anhaltende Diskussion über gesundheitsgefährdende Mobilfunkstrahlen unter dem Schlagwort Elektrosmog. Falls bestehende Grenzewerte deswegen gesenkt würden, drohten zusätzliche nicht unerhebliche Kosten, sagte Jung. "Je niedriger die Grenzwerte, umso mehr Basisstationen," stellte er klar. Schon jetzt stehe der Aufbau der UMTS-Netze unter hohem Zeit- und Kostendruck. Denn bis 2003, so steht es in den Lizenzbedingungen, müssen die Netzbereiber für 25 Prozent Netzabdeckung sorgen. Parallel dazu formieren sich immer mehr Bürgerinitiativen, die das Aufstellen von Mobilfunkmasten mit dem Verweis auf schädliche Strahlung verhindern wollen, klagte Jung, der Mobilfunk als völlig unbedenklich einstuft. Allein im Raum München hat der Bitkom 70 solcher Initiativen gezählt. "Bei UMTS dürfen wir uns keinen Flop leisten," warnte der Präsident. Trotz aller Probleme erwartet er für Mitte 2002 hier zu Lande erste UMTS-Installationen. Noch sei Europa und speziell Deutschland bei der Mobilfunk-Infrastruktur weltweit führend. Dieser Vorsprung dürfe nicht verspielt werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar