Wirtschaft : High-Tech macht Krach

Brummende Computer stören immer mehr Menschen. Sie bekämpfen den Lärm mit Öl, Pappe und Gummi

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Von Charles Forelle Carl Bohne hat in seinem Haus in St. Louis ein halbes Dutzend Computer in ihre Einzelteile zerlegt. Er arbeitet schwer daran, ein Gerät von der Größe eines Toasters zusammenzubauen. Carl Bohne will, dass sie leiser werden. Nachdem ihn vor ein paar Jahren der Lärm seines Computers zu stören begann, baute er diesen auseinander, um herauszufinden, was den Lärm verursachte. Jetzt ist es sein größtes Hobby, leise Computer zu bauen. Seine Rechner sind mit Isolierschaum, geräuschdämpfenden Filtern und Kupferstücken versehen, die die Hitze von der Mikroschaltung abhalten sollen.

Das Computerbrummen, das lange allenfalls als ein Randproblem in der von der Leistung besessenen Welt der Technologie betrachtet wurde, wird jetzt zum Thema Nummer eins für eine Bewegung, die sich leise Computer wünscht. Auch wenn ein normales Desktop nur eine Lautstärke von 30 bis 35 Dezibel hat – vergleichbar etwa mit einem Flüstern –, für die Betroffenen ist das ein Missklang, der aufhören muss.

„Wenn ich jemanden besuche, macht mich das verrückt“, sagt der Computerprogrammierer Isaac Kuo aus Baton Rouge, Louisiana. „Ich weiß immer, wo der Computer steht, es sei denn, er ist ausgeschaltet.“ Das behält er aber für sich. „Ich habe seit langem herausgefunden, dass ich das Thema am besten noch nicht einmal bei Freunden zur Sprache bringe – es interessiert sie einfach nicht“, sagt er. Für Tomas Risberg, einen Stockholmer Neurologen, sind Computergeräusche ein „Freiheitsthema“. „Warum“, fragt Risberg, der für die schwedische Regierung die Richtlinien für Computergeräusche zu entwickeln half, „soll ich etwas hören müssen, was ich nicht hören will?“

In Schweden muss auf der Verpackung der Geräuschpegel des Computers angegeben sein. Außerdem gibt es Richtlinien über die Geräuschgrenzen in Büros. Überhaupt hat man dem Thema in Europa eher Beachtung geschenkt als in den USA. In Europa gab es früher einen Markt für Komponenten, die den Computer leiser machen. In Schweden gibt es gar spezielle Geschäfte, in denen die Kunden sich die Computer vor dem Kauf erst einmal anhören können. „In Schweden bevorzugt man eine ruhige Umgebung“, sagt Risberg.

Inzwischen ist der Geräuschpegel von Computern kein Randthema mehr. Namhafte Firmen haben den neuen Trend erkannt. Einige der neuen IBM-Desktops der Levano Group haben ein Kühlsystem, das den Lärm reduziert. Appel Computer vermarktet seinen Mac Mini als „so leise wie ein Flüstern“. Dell unterhält diverse Akustikstudios mit Testkammern, um die Computer so konzipieren zu können, dass sie die Richtlinien in Schweden und anderswo in Europa erfüllen.

Die Hersteller sagen, das Problem sei aufgetreten, als die Computer Einzug in die Wohnzimmer gehalten haben. Seit die Computer mehr und mehr für digitale Musik, Videos und Spiele benutzt werden, müssen sie mehr leisten, was mit einem deutlichen Anstieg des Geräuschpegels einhergeht. Ein Geräusch, das in einem Büro vielleicht untergeht, ist im Wohnzimmer weniger willkommen.

Viele der Hobbybastler stellen Fotos und Tipps auf Internetseiten wie SilentPCReview.com. Ein populärer Kniff, der dort beschrieben wird, ist, das Laufwerk in einer Hängematte aus elastischen Bändern aufzuhängen, um so die Vibrationen zu verringern. Russ Kinder, ein Architekt aus Grand Rapids, Michigan, ging radikaler vor: Er tauchte seinen Computer unter. Nachdem er einen Dateiserver installiert hatte, der Tag und Nacht laufen musste, war er von dem nächtlichen Brummen so genervt, dass er den Computer in einen Acryltank voller Mineralöl tauchte.

Andere Flüssigkeiten, wie Leitungswasser, leiten Strom und die Schaltkreise schmoren durch. Aber Öl leite nicht weiter und sei deshalb so gut wie ein Schalldämpfer, sagt Russ Kinder.

Herr Kuo machte sich erstmals Gedanken über den Krach, als er seinen Computer ins Wohnzimmer stellte und ihn an den Fernseher anschloss, um digitale Filme auf dem großen Bildschirm sehen zu können. Dafür brauchte er eine schnellere Grafikkarte, die einen lauten Ventilator hatte. „Es wurde einfach zu viel“, sagt er. Nach vielen Veränderungen – die auch den Austausch einiger Teile und die Konstruktion eines Luftschachtes beinhaltete, den er aus einem alten, durchgeschnittenen Pappbecher herstellte –, war der PC so leise, dass er durch das Ticken der Wanduhr übertönt wurde.„Meine Frau fand, das genüge vollauf“, sagte Herr Kuo. Aber er war immer noch genervt. „Das passiert, wenn man einmal anfängt, die Computer leiser zu machen. Die Schmerzgrenze wird immer geringer.“

Übersetzt und gekürzt von Tina Specht (Haare), Svenja Weidenfeld (Computerlärm), Matthias Petermann (Europa) und Christian Frobenius (Italien, Japan).

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