Wirtschaft : High-Tech: Man übt sich in Realismus

Corinna Visser

Die Informationstechnik- und Telekommunikationsbranche war bisher zu optimistisch. Nun musste der Branchenverband Bitkom seine gerade einmal vier Monate alte Umsatzprognose für das laufende Jahr glatt halbieren. So ein turbulentes Jahr wie 2000 werde es wohl nicht mehr geben, sagte der Verbandspräsident. Man muss kein Prophet sein, um dem zuzustimmen. In der Euphorie des vergangenen Jahres hat der Verband noch vollmundig erklärt, die Branche werde bald die deutsche Automobilindustrie in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung überholen. Doch davon ist sie weit entfernt. Peinlich für die Zukunftsbranche: Sie wird in diesem Jahr weniger wachsen als die - ebenfalls gebeutelte - Automobilindustrie. Was in der Technik-Euphorie des turbulenten Jahres 2000 über die Maßen aufgeblasen wurde, schrumpft sich nun gesund. Eine Konsolidierung hat die Branche bitter nötig. Da sind immer noch zu viele Telekommunikations-, Software- und Internetfirmen unterwegs, die auch auf lange Sicht niemals Geld verdienen werden. Viele davon sind Übernahmekandidaten. Dass sie nicht übernommen werden, liegt einfach daran, dass die Unternehmen der Branche kein Geld für Übernahmen mehr haben. Bei der monetan schlechten Stimmung kommen risikoreiche Akquisitionen auch bei den Anlegern schlecht an. Faktoren, die den Konsolidierungsprozess verzögern. Die Branche wird noch eine Weile wenig Grund für Optimismus haben.

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