Wirtschaft : Hightech aus Berlin

Mit Optik sind junge Unternehmen gut im Geschäft

Oliver Voss

Berlin - Es ist ein wenig wie der Sehtest beim Augenarzt. Ein Mann hält Schilder mit Zahlen und Zeichen hoch, die der Proband erkennen muss. „80, 90, 120“, sagt eine Frauenstimme, ihre Fehlerquote ist bisher null. Doch getestet wird hier in Berlin-Pankow kein Mensch, sondern ein schwarzer BMW. Ausgestattet mit einer intelligenten Kamera, erkennt das Auto Straßenschilder und andere Fahrzeuge.

Noch handelt es sich um einen Prototypen, den die Hella Aglaia Mobile Vision GmbH entwickelt hat, doch 2009 könnte das System auf den Markt kommen. General Motors hat sich die Technik bereits für den Vectra gesichert.

Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und wuchs schnell. Im vergangenen Jahr übernahm der Autozulieferer Hella die Aglaia. Eine andere Kamera der Berliner ist schon länger bei Volvo im Einsatz: Sie befindet sich am Seitenspiegel und signalisiert, wenn sich ein Auto im toten Winkel befindet.

Doch es gibt noch weitere Einsatzmöglichkeiten für die Kameratechnik, etwa zur besseren Steuerung von Ampeln. Bisher wird der tatsächliche Verkehr durch Induktionsschleifen ermittelt, die in die Straße eingelassen sind. In Adlershof wird nun getestet, ob die Hella-Aglaia-Kameras diese Aufgabe besser erledigen können. Demnächst startet an der Kreuzung Karwendelstraße/Drakestraße in Lichterfelde die nächste Testphase. Dieses Projekt wird aus dem Zukunftsfonds des Landes Berlin gefördert. „Der Fonds überbrückt die Finanzierungslücke zwischen Wissenschaft und Unternehmen“, sagt Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei). Seit seiner Einrichtung 2001 wurden 24 Projekte gefördert. Insgesamt flossen dabei 45,5 Millionen Euro aus Mitteln des Landes und der EU.

Wolf besuchte kürzlich Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem Bereich der optischen Technologien. „Diese haben sich in den letzten Jahren überdurchschnittlich gut entwickelt“, sagte der Senator. Die Zahl der Mitarbeiter sei von 2003 bis 2005 jährlich um 5 Prozent gestiegen, bis 2010 sollen es 8,2 Prozent sein. Derzeit sind 8000 Personen in der Branche beschäftigt. „Der Umsatz stieg in den letzten Jahren jährlich um etwa 8,6 Prozent“, sagte Wolf. Für die nächsten Jahre rechnet er mit einem Zuwachs von 12,5 Prozent.

Ein Erfolgsbeispiel ist auch die Merge Optics GmbH. Das Unternehmen erzielte 2005 einen Umsatz von einer guten Million Euro. Bis April dieses Jahres waren es bereits 3,8 Millionen Euro, so viel wie im Gesamtjahr 2006. „Am Ende erwarten wir zehn Millionen Euro“, sagte Merge Optics-Chef Dag Neumeuer.

Das Unternehmen stellt Transceiver her. In den Bauteilen werden optische Signale aus Glasfaserleitungen in elektronische Daten umgewandelt und umgekehrt. Abnehmer sind unter anderem Google und Hewlett Packard. Über Glasfasern können viel größere Datenmengen transportiert werden als in Kupferleitungen. Dazu werden die Informationen in Lichtwellen umgewandelt. „Der Datenverkehr im Internet steigt jährlich um 31 Prozent“, sagt Hans-Joachim Gallert, Geschäftsführender Leiter des Hertz-Institutes. Glasfasern können helfen, die wachsenden Datenmengen, vor allem Video und Fernsehen, über das Internet zu bewältigen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben