Wirtschaft : Hightech-Dialog mit China aufgenommen

Rexrodt sieht Vorteile für beide Seiten / 18 gemeinsame Projekte
BONN (AP).Deutschland und China wollen im Bereich der Hochtechnologie vom Umweltschutz bis zur elektronischen Datenverarbeitung eng zusammenarbeiten.Dies soll durch ein am Freitag in Bonn geschaffenes bilaterales "Dialogforum für Hochtechnologie" geschehen.Es hat bereits auf seiner ersten Sitzung die Mehrzahl von 18 Projekten positiv bewertet.Die Gründung des Forums war beim Besuch von Bundeskanzler Helmut Kohl 1995 in Peking vereinbart worden. Am Freitag betonte Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt in Anwesenheit des Vorsitzenden der chinesischen Planungskommission, Chen Jinhua, die Kooperation solle zum Vorteil beider Seiten langfristig angelegt sein."Vorteile und Lasten müssen ausgewogen sein.Dies gilt insbesondere für den Transfer von Technologie und für die Finanzierung." Schwerpunkte bildeten Umweltschutz, Kohlevergasung und Kohleabbautechnik. Chen Jinhua, der mit einer 25köpfigen chinesischen Delegation nach Deutschland kam, bekräftigte das Interesse seines Landes an den Beziehungen zu Europa.Die Gründung des Dialogforums habe einen Prozeß in Gang gesetzt, der zur kommerziellen und industriellen Verwertung zahlreicher Hochtechnologieprojekte führen solle, sagte der Gast bei einem Treffen mit Außenminister Klaus Kinkel.Der Minister bekräftigte das "große Interesse" der Bundesregierung an freundschaftlichen Beziehungen.Deutschland wolle den Dialog mit China in allen politischen und wirtschaftlichen Fragen, unter anderem auch im Menschenrechtsbereich, weiter intensivieren. Nach einer Liste des Bundeswirtschaftsministeriums bestand im Bereich Kohle Interesse an einer Anlage zur Demonstration von Kohleverflüssigung.Dazu soll eine Durchführbarkeitsstudie erstellt werden.Der deutsche Anteil werde vom Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalens unterstützt.Auf Wunsch der chinesischen Seite soll eine Anlage zur Kohlevergasung gebaut werden. Andere Unternehmen sollen bei der Modernisierung der Düngermittelindustrie in China zusammenarbeiten.Im Bereich Metallurgie zeigte die chinesische Seite Interesse an der Technik des Dünnbandgießens der Mannesmann AG.Die Firmen Deutz und der chinesische Partner FAW haben einen Lizenzvertrag zur Herstellung von Deutz-Dieselmotoren in China abgeschlossen. Die Firmen Porsche und FAW sind nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums an der Entwicklung eines methanolbetriebenen Motors interessiert, der in China produziert werden könnte.Beide Firmen sollen nun "vertiefende Gespräche" aufnehmen.Im Bereich Post und Telekommunikation wird die gemeinsame Entwicklung moderner Meßgeräte angestrebt.Ferner ist die Siemens AG an einer Zusammenarbeit mit der chinesischen Postakademie interessiert, um ein System zur Schnellsortierung flacher Poststüêke zu entwickeln.Im Bereich des Umweltschutzes ist unter anderen die Firma Degussa bereit, die industrielle Entwicklung von Anlagen zur Reinigung von Autoabgasen zu unterstützen. Die am Dialogforum beteiligten Firmen erhielten den Auftrag, in Direktverhandlungen die Vorhaben voranzubringen.Rexrodt schlug vor, daß die Unternehmen jeweils ihre Regierungen über den Stand der Verhandlungen unterrichten.Ende 1997 solle dann ein Zwischenbericht erstellt werden.

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