Wirtschaft : Hightech-Firmen kämpfen mit der Krise

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Konsumzurückhaltung, Rezessionsangst und eine schwache Nachfrage nach Informationstechnologie zwingen weitere Unternehmen der Hightech-Branche zu Kurskorrekturen und Kosteneinsparungen. Der von Hewlett-Packard übernommene US-Computerhersteller Compaq hat im vergangenen Quartal einen hohen Verlust eingefahren und damit die ohnehin schon gesenkten Erwartungen der Analysten enttäuscht. Der weltgrößte Internethändler Amazon.com verbuchte im gleichen Zeitraum nach kräftigen Einsparungen nur einen stagnierenden Umsatz und konnte den Verlust wie erwartet reduzieren. Bei der Prognose für das Gesamtjahr ist Amazon vorsichtig: Finanzchef Warren Jenson räumte am Mittwoch ein, dass die Anschläge vom 11. September eine Prognose schwierig machten. Daher gebe es keine Garantie, dass das Unternehmen im vierten Quartal bereinigt um Sonderfaktoren in die schwarzen Zahlen zurückkehre. Dagegen hat die Darmstädter Software AG in den ersten neun Monaten Gewinn und Umsatz deutlich gesteigert, zugleich aber ihre Umsatzplanungen für das Gesamtjahr gesenkt und eine nur verhaltene Prognose für 2002 abgegeben.

Compaq im Preiskampf

Compaq erklärte die negative Entwicklung mit dem harten Preiskampf mit dem PC-Branchenführer Dell und anderen PC-Herstellern. Außerdem leide das Unternehmen unter der extrem schwachen Verfassung der Branche und der Wirtschaft insgesamt. Hewlett-Packard will Compaq für rund 19,5 Milliarden Dollar übernehmen. Der Quartalsumsatz schrumpfte gegenüber dem dritten Quartal 2000 um 33 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar. Es fiel ein Verlust von 499 Millionen Dollar an gegenüber einem Gewinn von 557 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.

Der Neunmonatsverlust betrug 700 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar in den ersten neun Monaten 2000. Der Umsatz schrumpfte im Januar-September-Abschnitt auf 25,1 (Vorjahr: 30,9) Milliarden Dollar. Für das Schlussquartal 2001 rechnet Compaq-Chef Michael Capellas mit einem Umsatz von 7,6 bis 7,8 Milliarden Dollar und einem Verlust von drei Cents je Aktie.

Amazon peilt Gewinne noch 2001 an

Amazon.com hat indes bei der Reduzierung seiner Verluste Fortschritte gemacht und will im vierten Quartal 2001 erstmals Gewinne machen - auch im stark wachsenden deutschen Markt. Der Nettoverlust verringerte sich weltweit auf 170 Millionen Dollar (372,50 Millionen Mark) nach 241 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg nur leicht von 638 auf 639 Millionen Dollar. Für das traditionell stärkste letzte Vierteljahr erwartet Amazon.com jetzt noch einen Umsatz zwischen 970 Millionen Dollar und 1,07 Milliarden Dollar. Deutschland- und Europa-Geschäftsführer Philipp Humm sagte dem Tagesspiegel, Amazon habe den Marktanteil deutlich auf über 40 Prozent gesteigert und werde in Deutschland sowie Großbritannien noch in diesem Jahr Gewinne erwirtschaften. Hierzulande würden im vierten Quartal wohl mehr als 400 000 Neukunden hinzukommen. Ende 2001 hätte Amazon.de dann mehr als vier Millionen Kunden.

Software AG korrigiert Planung

Die Kunden der Software AG bescheren dem Unternehmen hingegen größere Probleme als erwartet. Im Gesamtjahr 2001 kann das Unternehmen sein Ziel, rund 600 Millionen Euro umzusetzen, wohl nicht ganz erreichen, teilte die im M-Dax notierte Software AG am Mittwoch mit. Kunden hätten ihre Aufträge mit Verweis auf die unklare Entwicklung der Weltmärkte verschoben. In den ersten neun Monaten dieses Jahres erzielte das Unternehmen nach diesen Angaben einen Umsatz von 428,9 Millionen Euro, 43 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis lag bei 83,4 Millionen Euro, 71 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

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