Hilfe aus Fernost : China kauft für sechs Milliarden Anleihen Spaniens

Schon heute soll die Volksrepublik zehn Prozent der spanischen Schuldtitel halten. Nicht allen ist der Kurs Pekings geheuer.

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Berlin - Es war ein positives Signal, das der chinesische Vize-Ministerpräsident Li Keqiang zum Auftakt seiner Europareise sendete: Er versprach, dass die Volksrepublik Europa bei der Stabilisierung des Euro unterstützen werde – durch den Kauf weiterer Staatsanleihen. Allein für Spanien soll China nach Berichten der Zeitung „El País“ in Madrid zugesichert haben, Anleihen des hoch verschuldeten Landes im Wert von rund sechs Milliarden Euro zu kaufen. Schon heute soll die Volksrepublik zehn Prozent der spanischen Schuldtitel halten. Und es ist nicht der erste Schuldenstaat, der von China unterstützt wird. Zuvor hatte das Land bereits den Kauf von portugiesischen Papieren angekündigt und Griechenland aus der Klemme geholfen.

Das nützt auch der Volksrepublik. „China hat ein selbstverständliches Interesse an der Stabilität der weltweiten Finanzordnung“, sagt der Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Eberhard Sandschneider. Durch die Exporteinbrüche in der Krise hätten auch die Chinesen ihre Abhängigkeit von den westlichen Industrienationen deutlich gespürt. „Ein strauchelnder Euro belastet auch die chinesische Wirtschaft“, sagt Sandschneider.

Der Exportweltmeisters profitiert von einem starken Euro, damit seine Ausfuhren wettbewerbsfähig bleiben. Zudem würde eine Ausweitung der Euro-Krise die Nachfrage nach chinesischen Exporten drücken. Europa ist der größte Handelspartner der Volksrepublik. Weiter verfügt China über Devisenreserven von rund 2,65 Billionen Dollar, die das Land anlegen muss. Schon heute ist das, was die Chinesen nun in Europa tun, in Amerika Realität. Das Land ist der größte Kreditgeber der USA. Der Kauf europäischer Anleihen oder Rohstoffe hilft China, die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. „Die positiven Effekte sind für alle Beteiligten größer als die Nachteile“, sagt Politikexperte Sandschneider. Allein die Ankündigung sende positive Signale an die Märkte. Zudem bleibt China trotz des Aufstiegs zum Exportweltmeister und zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf ausländisches Geld angewiesen. Das räumte auch Vize-Ministerpräsident Li ein: „China bleibt nach wie vor das größte Entwicklungsland der Welt.“

Dennoch verknüpft Peking seine Unterstützung mit politischen Forderungen. „China gewinnt durch die Anleihen Macht“, sagte Sandschneider. Auch der Ökonom Peter Bofinger, Mitglied im Wirtschaftssachverständigenrat, sieht die Finanzspritzen kritisch: „Es ist bedenklich, wenn ein Land, das keine Demokratie ist, Einfluss auf EU-Mitgliedsländer erhält.“

Doch auch ohne die Hilfen sind die Abhängigkeiten zwischen der Volksrepublik und Europa groß genug, wie allein das Beispiel Deutschland zeigt. 2010 ist die Volksrepublik zum wichtigsten Lieferanten der deutschen Wirtschaft aufgestiegen. Noch schneller als die Importe wachsen die deutschen Exporte nach China. Im Vorfeld seines Deutschlandbesuches gab sich Vize-Präsident Li aber entgegenkommend und warb um engere Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Bundesrepublik und China. Laut Reuters wollen die Autobauer VW und Daimler beim Besuch des Vize-Präsidenten am Freitag Verträge im Wert von mehr als fünf Milliarden Dollar mit China besiegeln.Jahel Mielke

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