Wirtschaft : Hilfe einmal anders: Ein Seminar für potenzielle Selbstständige

Tobias Symanski

"Bin ich ein Unternehmertyp?" lautete die Überschrift des ersten bundesweiten Gründerforums am Freitag in Berlin. Die "Elite"-Preisträgern - ein Förderpreis der Privatwirtschaft für Nachwuchsunternehmer - des Jahres 1998, wollten auf der Veranstaltung im Hause der Deutschen Bank Berlin Unter den Linden nicht die praktischen Fragen der Unternehmensgründung, wie Kapitalbeschaffung, Steuerfragen und juristische Aspekte, beantworten. Vielmehr sollten die psychologischen Vorausetzungen und die individuellen Fähigkeiten und Anforderungen beim Sprung in die eigene Unternehmensgründung herausgearbeitet werden. "Für uns zählt mehr die Qualität als die Quantität", erläuterte der Preisträger Nicholas Adjouri die Auswahl der Teilnehmer und begründete damit zugleich, warum das Forum nur in kleinem Rahmen abgehalten wurde. So sei eine bessere Betreuung der Teilnehmer gewährleistet, und der persönliche Kontakt zu den Referenten werde erleichtert.

Einer von ihnen war Walter Gunz, der 1979 den ersten Mediamarkt mit 13 Mitarbeitern gegründet hatte. Heute gehören zur Media-Saturn Holding 276 Häuser mit 16 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt 13 Milliarden Mark. Enttäuscht von der Führungsphilosophie bei Karstadt, wo er angestellt war, beschloss Gunz, sein eigener Chef zu werden. Er wollte eine flachere Unternehmsstruktur durchsetzen, so könnten die Mitarbeiter am Besten motiviert werden. "Es gibt keinen Unternehmertyp. Ich selbst bestimme, ob ich ein Unternehmertyp bin oder nicht", ist er überzeugt. Wichtig sei der erste Schritt. Die Rückversicherung eines festen Arbeitsverhältnisses müsse aufgegeben werden. "Die große Kraft geht von der Entscheidung aus, das Unternehmen zu realisieren", so Gunz. Aber er warnte die Jungunternehmer auch vor der Gier nach Geld und Macht, Bürokratismen und Besserwisserei.

Um potenzielle Nachwuchsunternehmer zu identifizieren, hatten die Veranstalter im September des vergangenen Jahres Jahres einen Fragebogen in der Wirtschaftswoche veröffentlicht. Von den über zweihundert Interessenten wurden 36 Kandidaten ausgewählt. Der Grad der persönlichen Risikobereitschaft war für die Auswahl ebenso relevant wie die konkreten Schritte, die die Kandidaten bereits unternommen hatten. Die meisten planen ein Unternehmen im Dienstleistungsbereich. Einer der Teilnehmer, der 30-Jährige Bankangestellte Heinz Döbler, der mit einem Kompagnon eine Unternehmensberatungsagentur für mittelständische Unternehmen gründen will, war froh, unter den Teilnehmern zu sein. Er wolle die Chance nutzen, sich mit den Referenten zu unterhalten und Ideen zu sammeln, so seine Aussage. Am Nachmittag hatte Diplom-Psychologen Thomas Frizsche das Sagen. In Talkrunden und Workshops sollten die potenziellen Gründer ihre individuellen Stärken aber auch Schwächen feststellen und ihre Willenskraft testen.

Doch die Hilfe beschränkt sich nicht allein auf den einen Tag des Forums. Den ersten drei Teilnehmer, die bis zum kommenden August ein Unternehmen gründen, soll auch weiterin mit Service und Beratung unter die Arme gegriffen werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben