Hilfe für Griechenland : Das Misstrauen bleibt

Der Streit um Hilfszusagen für Griechenland in der deutschen Politik hat an den Finanzmärkten zu großer Nervosität geführt. Die Börse reagierte prompt – mit einem Jahreshoch beim Dax.

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Berlin - Der Streit um Hilfszusagen für Griechenland in der deutschen Politik hat an den Finanzmärkten zu großer Nervosität geführt. Die Risikoprämie für griechische Staatsanleihen stieg wieder deutlich, weil Investoren bezweifeln, dass die Rettungskredite der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds für Athen rechtzeitig fließen. Der Euro sank um fast einen Cent auf 1,32 Dollar. Anleger schichteten ihr Geld weiter von Anleihen in Aktien um, in der Folge erreichte der deutsche Aktienindex Dax mit 6341 Punkten zeitweise ein neues Jahreshoch.

Griechenland muss Investoren mittlerweile mit rund zehn Prozent Zinsen locken, um zehnjährige Staatsanleihen verkaufen zu können. Das ist mehr als dreimal so viel wie die Bundesrepublik bieten muss. Eine noch höhere Verzinsung wird auf kürzer laufende Papiere fällig. Bei zweijährigen Anleihen kletterten die Renditen sogar von elf Prozent am Freitag auf 13 Prozent am Montag. Es gebe Zweifel, dass Athen rechtzeitig zum 19. Mai die dann benötigten 8,5 Milliarden Euro für die Umfinanzierung einer Anleihe zur Verfügung hat, sagen Finanzexperten. „Durch die Hilfszusage der Euro-Länder ist der Koffer mit dem Geld näher an die Tischkante gerückt. Er ist aber noch nicht geöffnet“, sagte David Schnautz, Zinsfachmann der Commerzbank. Es sei noch eine Reihe politischer Entscheidungen offen.

Selbst wenn das Geld rechtzeitig fließt, dürfte die Krise längst nicht ausgestanden sein. „Es steht immer noch die Möglichkeit einer Staatspleite im Raum“, befand Schnautz. Ein solches Ereignis liegt immer dann vor, wenn ein Land seine Schulden nicht mehr wie ursprünglich geplant bedient – Kredite also entweder später oder gar nicht mehr zurückgezahlt werden. Investoren rechneten derzeit für diesen Fall mit einem Abschlag von 20 Prozent auf ihre ursprünglichen Forderungen, sagte der Commerzbank-Fachmann. Und selbst wenn die Griechen nun die Wende bei der staatlichen Ausgabenpolitik schafften, dauere es mindestens ein Jahr, bis die Anleger wieder Vertrauen zu dem Land fassten.

Eine düstere Prognose kam von Thomas Straubhaar, dem Präsidenten des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI). Die Notkredite für Athen seien „bestenfalls ein Erste-Hilfe-Paket“, erklärte er. „Das Ende des griechischen Dramas ist erst der Anfang einer europäischen Tragödie.“ Tatsächlich stiegen am Montag auch die Risikoaufschläge für andere Staaten mit hoher Verschuldung. Vor allem für Portugal, das am 20. Mai rund 5,6 Milliarden Euro von den Märkten braucht, aber auch für Spanien und Italien. „Portugal hat längst nicht die Probleme wie Griechenland, doch die Diskussion um das Land sorgt für Skepsis und ein schwieriges Umfeld“, sagte ein Händler.

Angesichts der Unsicherheiten suchen Kapitalbesitzer derzeit fieberhaft nach Alternativen für ihr Geld. „Ausländische Staatsanleihen gelten als zu riskant, deutsche Papiere werfen zu wenig ab – deshalb investieren die Anleger in Aktien“, sagte Eberhard Unger, Chefvolkswirt des Analystenhauses Fairesearch. Der Dax gewann am Montag rund 1,2 Prozent und stand damit so hoch wie seit September 2008 nicht mehr. Auf gute Unternehmensdaten sei der Aufschwung der vergangenen Tage allerdings nicht zurückzuführen, sagte Unger. „Es ist viel überschüssige Liquidität vorhanden, die Anleger wissen nicht, wohin mit dem Geld.“ Er misstraut der Entwicklung und rät von einem Einstieg in der aktuellen Phase ab.

Anleger, die das Risiko scheuen, kaufen derzeit Gold. Der Preis für die Feinunze erreichte am Montag einen neuen Höchststand, in der Spitze kostete sie 867,43 Euro. Händler verzeichneten vor allem aus der Euro-Zone eine starke Nachfrage.

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