Hilfe vom Staat : "Wirtschaftsförderung 3.0"

Bündnis gegen Bürokratie: Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner und die Bezirke kooperieren künftig auch bei der Betreuung ansässiger Firmen.

Jan Oberländer
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Rundumversorgung. Großunternehmen wie Berlin-Chemie sollen von der neuen Servicestelle betreut und am Standort gehalten werden. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

BerlinBerlin - Es sei zwar ein Beispiel aus „besseren Zeiten“, scherzte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Trotzdem: Angenommen, ein Berliner Unternehmen macht gute Geschäfte und will expandieren. Da könne es passieren, dass die Firma zwecks Grundstückskauf mit dem Berliner Liegenschaftsfonds zu tun habe. Die Finanzierung müsse sie mit der Investitionsbank regeln. Und die Genehmigung, zwei Bäume zu fällen, weil sonst die neue Fabrikhalle nicht gebaut werden kann, gebe es beim Bezirksamt. Mit anderen Worten: Der Aufwand ist groß. Und obwohl Firmen laut Wolf in Berlin durchaus gut beraten und gefördert würden, sei das Angebot noch zu „zersplittert“, Kompetenzen überschnitten sich, es fehle „an Abstimmung und systematischer Kommunikation mit den Unternehmen“.

Das soll nun anders werden: Ab Januar 2010 wird ein neuer, von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlin Partner betreuter Unternehmensservice in Berlin ansässige Unternehmen „kontinuierlich, systematisch und aktiv“ unterstützen. Nach rund zwei Jahren Vorbereitungszeit präsentierte Senator Wolf das fertige Konzept „zur Bestandspflege“ am Montag gemeinsam mit Berlin-Partner-Geschäftsführer René Gurka, der Treptow-Köpenicker Bezirksbürgermeisterin Gabriele Schöttler (SPD), dem IHK- Präsidenten Eric Schweitzer sowie dem Vorsitzenden des DGB Berlin-Brandenburg, Dieter Scholz.

„Das ist Wirtschaftsförderung 3.0“, jubelte Gurka, dessen Institution auch dafür zuständig ist, auswärtige Unternehmen und Investoren in die Stadt zu vermitteln. Er erklärte seine von der Internetsprache inspirierte Formel: Früher hätten Wirtschaftsförderer darauf gewartet, dass Firmen anfragten, später hätten sie sie angesprochen, ob sie irgendetwas bräuchten. Der neue Unternehmensservice biete nun „integrierte Lösungen in allen Lebenslagen“. Bei Finanzierung, Standort- und Personalsuche will der Service ebenso behilflich sein wie bei Krisenmanagement und der Vernetzung mit der lokalen Wirtschaftsszene. Berliner Firmen sollen einen festen Ansprechpartner haben, anstatt von einer Station zur nächsten laufen zu müssen.

Dafür werden 24 neue Mitarbeiter eingestellt. 14 von ihnen werden für die einzelnen Bezirke zuständig sein, auch kleine lokale Betriebe sollen sich an den Unternehmensservice wenden können. Viele Probleme könnten so direkt und lokal gelöst werden. Die restlichen Mitarbeiter werden bereits ab Oktober 2009 für die zentrale Betreuung von 400 strategisch wichtigen Berliner Unternehmen („key accounts“) zuständig sein. Zu ihnen werden große, umsatzstarke Firmen mit vielen Beschäftigten gerechnet, Unternehmen mit Wachstumspotenzial und aus Zukunftsbranchen wie der Gesundheitswirtschaft, den erneuerbaren Energien oder der Kreativwirtschaft. Konkrete Firmennamen wollte man bei Berlin Partner nicht nennen. Jede Firma sei wichtig. „Es gibt keine Zweiklassengesellschaft“, hieß es.

Die Mitarbeiter vor Ort sollen auch dabei helfen, die Koordination der Bezirke untereinander zu verbessern. Hier herrsche im Moment oft noch „Verhinderungsalltag“, kritisierte IHK-Präsident Schweitzer. Im Wettbewerb mit anderen Standorten sei das neue Konzept darum ein Forschritt. Bürgermeisterin Schöttler bezeichnete das Vorhaben als „strategische Partnerschaft für ganz Berlin“. Bezirkliche Eitelkeiten würden hintangestellt, man werde „mehr voneinander wissen“. Dazu gebe es eine gemeinsame Firmendatenbank, auf die alle Berliner Wirtschaftsförderer Zugriff hätten. Schließlich sollten die betreuten Unternehmen die Botschaft in die Welt tragen: „So gut wie in Berlin wird man nirgendwo betreut – kommt hierher!“

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