Wirtschaft : Hilfspaket für Südkorea wird größer

Weitere Länder wollen mit Krediten aushelfen / Mehr als 60 Mrd.Dollar angeboten / Börse erholt

SEOUL (dpa/rtr).Der vom Internationalen Währungsfonds (IWF) koordinierte Beistandskredit für Südkorea wird voraussichtlich 60 Mrd.Dollar übersteigen.Weitere europäische Länder hätten ihre Hilfsabsicht bekundet, sagte am Freitag Finanzminister Lim Chang Yuel.Er gab in Seoul die Einzelheiten des Abkommens mit dem IWF bekannt, das mindestens 57 Mrd.Dollar Hilfen zur Überwindung der Finanz- und Währungskrise Südkoreas vorsieht.An der Seouler Börse erholten sich die Kurse am Freitag kräftig um weitere 6,97 Prozent.Die Reformzusagen der Regierung an den IWF hätten den Handel beflügelt, sagte ein Analyst der Hyundai Securities.Die Landeswährung Won fiel jedoch weiter um vier Prozent auf 1221 Won je US-Dollar. "Unsere Probleme stammen aus kurzfristigen Schulden, die schnell fällig wurden", sagte Lim.Sie machten 60 Prozent oder 68 Mrd.Dollar der Gesamtschulden aus.Südkorea soll zunächst 35 Mrd.Dollar vom IWF, der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank erhalten.Bei Bedarf sollen die führenden Industriestaaten (G 7) und andere westliche Staaten weitere 22 Mrd.Dollar bereitstellen.Nach Australien und Italien haben auch Belgien, die Niederlande und Schweden ihre Beteilung am bisher größten Kreditpaket aller Zeiten für ein einzelnes Land signalisiert.Der IWF bewilligte am Donnerstag abend einen ersten Teilkredit über 21 Mrd.Dollar.Davon sind 5,56 Mrd.Dollar sofort verfügbar.Weitere 3,58 Mrd.werden am 18.Dezember und zwei Mrd.Dollar am 8.Januar 1998 freigegeben, wenn Südkorea seine Reformzusagen einhält.Der Beistandskredit des IWF ist an Zusagen für die weitere Öffnung des Finanz- und Kapitalmarkts sowie steuer- und wirtschaftspolitische Reformen gebunden.So sollen das Wirtschaftswachstum auf 2,5 Prozent verlangsamt und die Staatsausgaben drastisch gekürzt werden.Das Finanzministerium kündigte am Freitag zudem Schritte zur Handelsliberalisierung an.Während Wirtschaftsforscher befürchten, daß die Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent 1997 auf fünf bis sechs Prozent im nächsten Jahr steigen könnte, sieht die Regierung einen Anstieg auf 3,9 Prozent voraus.Zahlungsunfähige Banken sollen künftig geschlossen oder von in- oder ausländischen Banken übernommen werden können.Ausländische Banken und Wertpapierhäuser können Niederlassungen ab Mitte 1998 in Südkorea einrichten.Die Grenze für ausländische Kapitalbeteiligungen an börsennotierten Aktiengesellschaften soll auf 50 Prozent bis Jahresende und 55 Prozent bis Ende 1998 erweitert werden.Die Opposition und private Organisationen kritisierten das Abkommen als unfair.Es bedrohe das Land in seiner Selbständigkeit.In den vergangenen 30 Jahren hatte sich der Tigerstaat mit einer Wachstumsrate von 8,6 Prozent im Jahresdurchschnitt zur elfgrößten Volkswirtschaft der Welt entwiêkelt.Der Kreditrahmen für Südkorea ist der höchste, den der Internationale Währungsfonds bislang vermittelt hat, Mexiko waren einst 50 Mrd.Dollar zur Verfügung gestellt worden.IWF-Chef Michel Camdessus sagte, die Kreditsumme für Südkorea sei ausreichend.Die Reformen gingen weit genug, um das Vertrauen in das Land wiederherzustellen."Ich glaube, daß Südkorea in Zukunft stärker und stabiler sein wird", erklärte Camdessus.Nach der schweren Finanzkrise in Asien korrigierte der IWF seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum auf 4,3 Prozent um 0,8 Prozentpunkte nach unten. Inmitten der Finanzkrise erklärte sich am Freitag das führende Wertpapierhaus Coryo Securities Corp.mit 1100 Beschäftigten für zahlungsunfähig.Das Haus kann Rechnungen über 175 Mrd.Won (250 Mill.DM) nicht begleichen.Coryo ist das achtgrößte Wertpapierunternehmen des Landes und hat 53 Niederlassungen in Südkorea, New York, London und Hongkong.Es ist nach einer Meldung der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap das erste insolvente Wertpapierhaus seit fast 35 Jahren.

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