Wirtschaft : Hilmar Kopper gesteht Fehler ein

Ehemaliger Deutsche Bank-Chef sagt im Schneider-Prozeß aus / "Nie persönlich begegnet"

FRANKFURT (MAIN) (oe / ro).Die Deutsche Bank hat nach Ansicht ihres damaligen Vorstandsvorsitzenden rechtzeitig die Bremse bei Krediten an Jürgen Schneider gezogen.Der heutige Aufsichtsratsvorsitzende, Hilmar Kopper, erklärte am Dienstag in Frankfurt (Main) im Prozeß gegen den Königsteiner Baulöwen, daß der Vorstand der Deutschen Bank schon im zweiten Halbjahr 1991 beschlossen habe, das Engagement bei Schneider auf 1,2 Mrd.DM zu begrenzen.Ausschlaggebend hierfür seien aber nicht Zweifel an der Person Schneider oder seiner Bonität gewesen, sondern die Einschätzung der künftigen Entwicklung auf dem Immobilienmarkt. Aus seiner Sicht sei dieser Beschluß vernünftig gewesen."Das unterscheidet den guten vom schlechten Banker - das Fingerspitzengefühl." Andere Banken hätten dagegen noch danach rund 3,5 Mrd.DM Kredit an den Bauunternehmer vergeben."Das Ergebnis zeigt, daß wir mit unserer Einschätzung durchaus richtig lagen", sagte Kopper. Der ehemalige Chef der Deutschen Bank räumte aber auch ein, daß bei der Vergabe von Krediten an Schneider Fehler gemacht worden seien.Dies sei sowohl auf die einzelnen Mitarbeiter zurückzuführen, als auch auf Lücken in der Struktur."Aber wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist man immer klüger", so Kopper.Den Vorstand der Deutschen Bank traf dabei aber nach seiner Einschätzung keine Schuld.Direkt verantwortlich für die Schneider-Kredite seien die Vorstandsmitglieder der Hypothekentochter Deutsche Centralboden in Köln gewesen.Die beiden Mitglieder des Konzernvorstands, die im Präsidum des Aufsichtsrats der Tochter gesessen hätten, hätten nur die Aufgabe gehabt, das Gesamtrisiko für den Konzern zu überprüfen, nicht auf einzelne Geschäfte der Centralboden Einfluß zu nehmen.Auf die Frage des Richters, warum für diese Prüfung die Aufsichtsräte keine ausreichenden Unterlagen gehabt hätten, antwortete der immer ungehaltener werdende Kopper: "Das ist in Aufsichtsräten oft so - man kann sich nicht mit allen Details befassen, sondern muß dem Urteil des Vorstands vertrauen." Koppers ehemaliger Vorstandskollege Georg Krupp hatte dies in der vergangenen Woche vor Gericht ebenso dargestellt. Zweifel an der Bonität des Kreditnehmers Schneider seien im Vorstand der Deutschen Bank bis zu dem Beschluß im Herbst 1991 nicht aufgetaucht.Erst 1992 habe man die vorgelegten Vermögensaufstellungen genauer geprüft und dabei festgestellt, daß dieser Topf, der eigentlich zur Absicherung der Kredite dienen sollte, "eine Eidechse ohne Schwanz" war.Auch über die Person Schneider habe man sich im Konzernvorstand nicht unterhalten."Die Person ist bei solchen Geschäften uninteressant.Entscheidend ist das Objekt, das Objekt, das Objekt." Und die Objekte, die die Deutsche Bank finanziert habe, seien durchweg gut gewesen.Daher habe man auch nach dem "Schlußstrich" vom Herbst 1991 noch einige Millionen neue Kredite an Schneider vergeben, um diese Objekte fertigzustellen.Eine Bank habe in solchen Situationen kaum eine Alternative, sagte Kopper. Kopper saß Schneider im Gerichtssaal zum ersten Mal überhaupt gegenüber.Er hatte nie etwas mit Schneider zu tun, erst als der Baulöwe weg war, wußte Kopper so recht, wer der Mann war.Schneider hatte sich für den von Dutzenden Kameras begleiteten Auftritt des einst mächtigsten Bankchefs in Deutschland vor Gericht zurechtgemacht: "Heute kommt Kopper", meinte er auf die Frage, warum er erstmals in dem Prozeß im dunklen statt im ockerfarbigen Sakko auf der Anklagebank saß. Seit dem Debakel hat die Deutsche Bank den gesamten Immobilienbereich umgekrempelt, die Kontrollen verstärkt, ein paar Leute gefeuert und nicht zuletzt als einziges der über 50 Geldhäuser, bei denen sich Schneider Geld gepumpt hat, rund 300 von Schneider geprellte Handwerker, Ingenieure und Architekten mit etwa 76 Mill.DM entschädigt.Weitere 9 Mill.DM gingen an betroffene Kommunen. "Es gab eine Zeit vor und eine Zeit nach Schneider", hatte Klaus Peter Fischer im Prozeß betont.Er war in der Filiale Baden-Baden, die Schneider Zwischenfinanzierungen in dreistelliger Millionenhöhe gewährte, für Firmenkunden verantwortlich.Acht Objekte hat die Deutsche Bank aus dem Schneider-Nachlaß übernommen.Vier davon hat sie fertiggestellt und verkauft.Drei sind noch in ihrem Besitz.Die Zeilgalerie in Frankfurt, die im Mittelpunkt des Schneider-Prozesses steht und wie kein anderes seiner über 100 Objekte die peinlichen Versäumnisse der Banken deutlich macht, gehört noch zur Konkurse-Masse, wird aber von der Deutschen Bank verwaltet. Einen zweiten Fall Schneider kann und will sich die Deutsche Bank nicht leisten.Alle Geschäftsbereiche und alle Tochterunternehmen der Bank unterstehen seitdem dem Geschäftsbereich "Gewerbliche Immobilien", für den Vorstandsmitglied Michael Endres verantwortlich ist.Die Centralboden in Köln wurde mit der Frankfurter Hypothekenbank verschmolzen.Für den gesamten Bereich gelten heute einheitliche Standards.Eine neu entwickelte Software soll frühzeitig auf Defizite hinweisen.Vor allem aber werden in allen Fällen eigene Sachverständige eingeschaltet.Sie müssen auch dann ran, wenn schon Gutachten vorliegen. Die eigens für die Abwicklung des "Schneider-Nachlasses" gegründete BANA Immobilien GmbH agiert heute als Tochter für spezielle Aufgaben im Bereich gewerbliche Immobilien."Da steckt sehr viel Know-How und Problembewußtsein ", sagt Pressesprecher Walter Schumacher.Eine Trennung der eigentlichen Objektfinanzierung von Zwischenfinanzierungen soll nicht mehr möglich sein.Schneider hatte so die Centralboden und die Deutsche Bank-Filialen in Baden- Baden und Mannheim gegeneinander ausgespielt.

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