Wirtschaft : Hilmar Kopper nennt Mannesmann als positives Beispiel

Jobst-Hinrich Wiskow

Der Beauftragte der Bundesregierung für Auslandsinvestitionen gab sich auf der Tagesspiegel-Veranstaltung "Reformen im Stau - wo steht die deutsche Wirtschaft?" zuversichtlichJobst-Hinrich Wiskow

Hilmar Kopper blieb gelassen. Zwar sagte der Aufsichtsrats-Vorsitzende von Deutscher Bank und DaimlerChrysler, außerhalb Europas zweifle mancher am Willen in Deutschland, etwas zu verändern. Doch er sehe das nicht allzu dramatisch. "Das Glas ist halb voll und nicht halb leer", sagte Kopper. Doch das muss er sagen - schließlich ist er Beauftragter der Bundesregierung für Auslandsinvestitionen in Deutschland. Freilich war Kopper um Argumente nicht verlegen, als er am Mittwochabend auf einer Veranstaltung des Tagesspiegel in der Deutschen Bank in Berlin diskutierte - Überschrift: "Reformen im Stau - wo steht die deutsche Wirtschaft?". Rainer Hank, Leiter der Tagesspiegel-Wirtschaftsredaktion, moderierte die Veranstaltung.

Als positives Beispiel nannte Kopper den Traditionskonzern Mannesmann, um den derzeit eine Übernahmeschlacht läuft. "Vor fünf Jahren war Mannesmann zwölf Milliarden Mark wert, jetzt sind es 240 Milliarden", sagte Kopper, der im Aufsichtsrat des einstigen Stahl- und Röhrenkonzerns sitzt. "Man kann etwas verändern", konstatierte der Banker, ergänzte allerdings mit Blick auf die freundlichere Konjunkturprognose: "Ich hoffe, wirtschaftliche Verbesserungen hindern uns nicht an notwendigen Reformen."

Verständnis zeigte Kopper für den Einsatz von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Fall des kriselnden Baukonzerns Philipp Holzmann. Die Regierung stützt Holzmann mit 250 Millionen Mark. "Politiker wollen und müssen wiedergewählt werden", sagte Kopper. Überdies halte er die Größe des Fehltritts gegen die Marktwirtschaft für gering. Kopper wünschte sich ein größeres marktwirtschaftliches Verständnis in Deutschland. "Kapital, Gewinn und Risiko sind in den angelsächsischen Staaten positive Worte, während sie in Deutschland verteufelt werden." Siegmar Mosdorf fehlte in der Aufzählung der Begriff Verantwortung. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium stimmte indes zu, es gehe um mehr Selbstverantwortung und Selbstständigkeit. Daher hält der SPD-Politiker den Staat für zu groß - und wünscht sich eine Staatsquote von 40 Prozent. Zurzeit beträgt sie rund 48,5 Prozent. Noch eine Kritik des Staatssekretärs: "60 Prozent der weltweiten Steuergesetz-Literatur sind in Deutschland erschienen." Er betonte die Chancen der Globalisierung, warnte aber zugleich: "Wir müssen den Strukturwandel organisieren, wir müssen die Menschen mitnehmen." Als "schwere Veranstaltung" bezeichnete Mosdorf die nächste Runde des Bündnisses für Arbeit in der kommenden Woche. "Es darf nicht darum gehen, Strukturen zu verteidigen."

Dem wollte Hasso Plattner nicht widersprechen. Der Vorstandssprecher des Software-Herstellers SAP hielt das Vorbild Amerika hoch. Die Amerikaner hätten sich "hemmungslos dem Kapitalismus verschrieben - im positiven Sinne". Da komme vor allem ein Element vor, das der Manager hier zu Lande vermisst: der Spaß - am Erfolg und am Geld.

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