Wirtschaft : Himmelweite Unterschiede

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Von Rolf Obertreis

Kaum eine Branche reagiert so sensibel auf die Konjunktur oder unvorhersehbare Ereignisse wie Fluggesellschaften. Die Unternehmen sind deshalb besonders schwierig zu führen. Dass es allerdings himmelweite Unterschiede gibt, dokumentiert die Lufthansa.

Als wichtigste europäische Gesellschaft für die Verbindungen nach Asien wurde sie von der Lungenseuche Sars im April und Mai hart getroffen. Tausende Geschäftsreisen wurden kurzfristig storniert oder erst gar nicht gebucht. Große Jets flogen zunächst nur zu einem Viertel besetzt nach Peking oder Shanghai, bevor die Lufthansa die Maschinen aus dem Verkehr zog, um das Desaster zu begrenzen. Doch das Krisen und Kostenmanagement hat insgesamt hervorragend funktioniert. Auch die Vereinbarungen mit den Mitarbeitern über verkürzte Arbeitszeiten mit reduziertem Lohn haben sich bewährt. Kein einziger der rund 94000 Lufthansa-Beschäftigten wurde entlassen.

Trotzdem hat die Lufthansa im zweiten Quartal einen überraschend hohen Gewinn eingeflogen. Das zweite Quartal eröffnet dem Unternehmen trotz der schwierigen Lage im Europa-Geschäft gute Aussichten für 2003, auch wenn es im gesamten Jahr noch nicht zu einem Gewinn reichen sollte. Langfristig steht die Lufthansa so gut wie kaum eine andere Airline da. Das Management um Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber hat bewiesen, dass es mit schweren Krisen umgehen kann – auch ohne Personalabbau. Bei anderen Gesellschaften wurde rigoroser mit der Belegschaft umgegangen. Die Lufthansa-Beschäftigen werden es honorieren. Und die Kunden: Sie achten beim Fliegen nicht nur auf den Preis, sondern auch darauf, ob das Personal motiviert ist und guten Service bietet.

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