Wirtschaft : Hinter den Kulissen

Wie man Redenschreiber wird.

Allein vor dem Computer. Redenschreiber Peter Spong war früher Pressereferent.Foto: dpa Foto: dpa-tmn
Allein vor dem Computer. Redenschreiber Peter Spong war früher Pressereferent.Foto: dpaFoto: dpa-tmn

Einfach und klar, bildhaft und anschaulich soll eine gute Rede sein. Profis wissen das. Während sie allein am Schreibtisch Reden konzipieren und ausformulieren, stehen ihre Auftraggeber später im Rampenlicht und ernten den Applaus.

„Auf Dauer ist es komisch, wenn Sie kreativ sind, aber Ihre Ergebnisse nie unter Ihrem Namen präsentieren dürfen“, sagt Peter Sprong. Seit über zehn Jahren ist er professioneller Redenschreiber, das Schattendasein ist für ihn Berufsalltag.

Wer anderer Leute Reden schreibt, muss zunächst einmal gut zuhören. Um was soll es in der Rede gehen? Wo soll das Publikum abgeholt und wo soll es hingebracht werden? „Meine Lieblingsfrage ist immer: Was ist die Botschaft?“, sagt Redenschreiberin Susanne Winkler. Gleichzeitig muss sich der Redenschreiber in den Redner einfühlen, einen Ton finden, der dem Redner angemessen ist. „Als hätte er die Rede selbst geschrieben, aber plötzlich ein riesiges Talent entwickelt“, erklärt Winkler. Damit die Auftraggeber auf der Bühne wissen, wie sie die vorformulierten Botschaften angemessen transportieren, setzen die Autoren Regieanweisungen neben den Text. Hier eine „Pause“, dort eine „ausladende Geste“.

Wie viele Redenschreiber es in Deutschland gibt, ist schwer zu sagen. Oft sind es fest angestellte Büroleiter und Referenten, welche die Manuskripte für ihre Vorgesetzten erstellen. Daneben gibt es viele freiberufliche Redenschreiber.

Wie viel sie für ihre Arbeit erhalten, ist meist Verhandlungssache. Die Honorarempfehlung des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) sieht für eine zehnminütige Rede 700 bis 1250 Euro vor. Bei 45 Minuten sind es 3150 bis 5625 Euro. Eine Redeminute entspreche etwa einer Stunde Arbeit.

Nur wenige können aber davon leben. „Wer sich selbstständig macht, muss wissen, dass man über das Schreiben von Redetexten hinaus auch andere Textsorten bearbeiten muss“, sagt Verbandspräsident Vazrik Bazil. Das könnten Pressemitteilungen, Broschüren oder Briefe sein.

Doch wie wird man eigentlich Redenschreiber? „Meistens aus einem schreibenden Beruf heraus“, erzählt Sprong. Er arbeitete erst als freier Journalist, ist dann in die Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens gewechselt und irgendwann schrieb er die Rede des Vorstandsvorsitzenden. Die Herausforderung gefiel ihm, einige Zeit später machte er das Schreiben von Reden zum Hauptberuf.

Wer sich zum Redenschreiber ausbilden lassen möchte, muss auf private Anbieter vertrauen. „Der Markt ist voller Seminaranbieter“, sagt Bazil. „Das Handwerkliche, das Minimum, kann man überall lernen.“ Doch einen vorgeschriebenen Ausbildungsweg gebe es nicht. dpa

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