Hintergrund : Der "Fall Emmely"

Barbara E. ist heute 52 Jahre alt. Die Berlinerin arbeitete 31 Jahre lang als Verkäuferin; zuerst bei einer Handelskette der DDR in Neubrandenburg, später bei Kaiser's im Berliner Osten als Kassiererin. Nach Angaben ihres Anwalts machte sich die Frau während der gesamten Arbeitszeit keines Vergehens schuldig. 2007 organisierte sie Streiks mit, in denen Lohnerhöhungen gefordert wurden. Der Kaiser's Tengelmann GmbH wurde vorgeworfen, dass ein Zusammenhang mit der späteren Entlassung besteht.

Mitte Januar 2008 wollen Kollegen E. Pfandbons gegeben haben, die sie wenig später zu ihren Gunsten einlöste. Kaiser's kündigte ihr daraufhin im Februar 2008 fristgerecht und fristlos. Seither rollt eine Protestwelle gegen diese spezielle Verdachtskündigung und Verdachtskündigungen im Allgemeinen, der Fall wurde zum Politikum. E.s Anwalt sagt inzwischen, dass er eine Abmahnung für "ausreichend" gehalten hätte. Sie selbst bestreitet den Diebstahl der Bons à 48 Cent und 82 Cent.

Mit ihrer Klage gegen die Kündigung scheiterte die Kassiererin erst vor dem Arbeitsgericht Berlin und dann im Februar 2009 vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg (LAG). Die Richter verwiesen auf das "besondere Vertrauensverhältnis" zwischen Arbeitgeber und Kassiererin. Das LAG untersagte zudem eine Revision.

Auch eine Einigung zwischen Kaiser's und E. scheiterte nach Angaben der Kaiser's-Anwältin: Statt fristloser Kündigung zum 22. Februar 2008 fristgerechte Kündigung bis Ende September 2008. E. habe diese Einigung platzen lassen. E. habe zudem ehemalige Kollegen mit falschen Anschuldigungen überzogen.

Ende Juli 2009 gab das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt einer Beschwerde von E. aber in Teilen statt. Danach durfte sie gegen das Urteil des LAG doch noch Revision einlegen. (ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben