Hintergrund : Martin Winterkorn, der neue VW-Chef

Der neue Chef von Volkswagen ist einer der erfolgreichsten Manager der deutschen Automobilbranche. Er soll den angeschlagenen Konzern wieder konkurrenzfähig machen.

Er führte Audi zurück in die Erfolgsspur und machte aus dem eher biederen Autoproduzenten eine erfolgreiche Premiummarke, die es mit der Konkurrenz Mercedes und BMW locker aufnehmen kann. Dieser Erfolg beförderte ihn jetzt an die Spitze von Volkswagen.

Martin Winterkorn wird am 24. Mai 1947 in Leonberg geboren. Er studiert an der Universität Stuttgart Metallkunde und Metallphysik und promoviert 1977 am Max-Planck-Institut für Metallforschung.

Seine berufliche Karriere beginnt er beim Autozulieferer Robert Bosch GmbH. 1981 wechselt er zu Audi und wird dort Assistent des Vorstandes für Qualitätssicherung. In diesem Bereich steigt er innerhalb von zwei Jahren zum Gesamtleiter Qualitätssicherung bei Audi auf.

1993 führt ihn sein Weg zu Volkswagen, wo er 1996 Markenvorstand für "Technische Entwicklung" wird. Im Jahr 2000 wird er in den Konzernvorstand berufen und ist dort für den Geschäftsbereich "Forschung und Entwicklung" zuständig.

Nach der Bildung der Markengruppe Audi im Jahr 2002 wird er Vorstandsvorsitzender. Neben Audi gehören zu der Gruppe auch Seat und Lamborghini. Sein Engagement bei Audi wird eine Erfolgsgeschichte. Fast jährlich kann das Unternehmen neue Absatz- und Ergebnisrekorde melden. Diese Erfolge hievten den Manager jetzt auf den Chefsessel bei VW.

Schwierige Projekte bei Volkswagen

Dort erwartet ihn ein hartes Programm. Im Poker um die Übernahme von Scania durch MAN hat sich VW weit aus dem Fenster gelegt und die Anteile bei beiden Unternehmen kräftig aufgestockt. Sollte die Übernahme nicht klappen, dann kann VW eine Menge Geld abschreiben. Der zweite Brocken heißt Seat. Auch die spanische Marke fährt den Zielen bisher hinterher. Die Tochter aus Barcelona braucht eine klare Strategie, um wieder Gewinne einzufahren.

Dritte Baustelle ist der VW-Konzern selbst. Sein Vorgänger Pischetsrieder konnte der übermächtigen IG Metall nur wenige relevante Zugeständnisse abringen. Der Abbau von 20.000 Arbeitsplätzen in Deutschland schreitet zwar voran, kostet aber auch viel Geld. Die Produktivität konnte im Vergleich mit den Marktführern Toyota und Honda nicht genügend gesteigert werden und die Renditeziele liegen in weiter Ferne. Auf diesem Feld steht Winterkorn sicher der größte Kampf bevor. Im Hintergrund wird der Porsche-Enkel und Aufsichtsratsvorsitzende von VW Ferdinand Piëch über die Entwicklung im Konzern wachen. Allerdings wird den beiden ein gutes Verhältnis nachgesagt, was sicher hilfreich und ein weiterer Grund für die Berufung von Winterkorn sein dürfte. (tso/mm)

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